Bei dieser Kunde erhob sich in der Stadt ein wüstes Geschrei, man glaubte, den gestellten Ansprüchen nicht nachkommen zu müssen, aber die drohenden Kanonenpforten unterstützten nachdrücklichst die Forderung. Noch ehe die Frist verstrich, war Beneke im Besitze der verlangten Summe und segelte dann mit der Flotte hinaus, seinen Gefährten entgegen.

‚Mariendrache‘ und ‚Pomuchel‘ erschienen frühzeitig genug vor dem Hafen, um den Sieger mit seiner reichen Beute noch auslaufen zu sehen. Draußen auf der See setzten die Hansen die gefangenen Dänen auf die schlechteste Prise über, die sie dann ihrem Schicksal überließen.

Nach dreitägiger Fahrt erreichte die Flotte jubelnd die Heimatstadt, in der Trübsal und Trauer herrschten, da man einen dänischen Überfall befürchtete. Zu Ehren der Schiffshauptleute und der siegreichen Kriegsfahrzeuge gab der Rat ein großes Fest. Wieder läuteten die Glocken, und wieder ertönten Böllerschüsse, und wieder wurden schmückende Ehrenketten den Siegern überreicht, dazu ward Paul Beneke feierlichst zum Schiffshauptmann von Danzig ernannt. Unter den erbeuteten Dänenschiffen suchte er sich die ‚Anholt‘ aus, die dann lange Zeit unter seiner Führung im Dienste der Stadt Danzig stand.

4. Überlistet.

(Danzig im Kampf mit England.)

Unter den Hansen wußte man, daß König Eduard IV. von England auf einen günstigen Augenblick wartete, den Hansen eine vernichtende Niederlage zu bereiten, damit die Handelsvorteile, die ihnen gewährt waren, hinfällig wurden. Ein Hansetag, der ausgeschrieben war, ließ leider die gewohnte Einmütigkeit und Tatkraft der hansischen Glieder nicht mehr erkennen, zu sehr machten sich schon die Einzelwege der Städte breit.

So war Köln nicht bereit, wegen seiner Handelsbeziehungen mit England den Forderungen des Hansebundes zu folgen. Danzig rüstete daher auf eigene Faust, um dem Unheil, das sich drohend zusammenzog, rechtzeitig begegnen zu können. Bardewig erhielt den Auftrag, vier Auslieger fertigzustellen und mit ihnen die Fahrt an die flandrische Küste zu unternehmen.

Im Jahre 1468 zogen Kaufleute von Lynn nach Island, erschlugen dort den dänischen Vogt, verheerten die Insel und beraubten auch die Steuerkasse. König Christian I. von Dänemark, darüber erbost, setzte auf seine Kriegsfahrzeuge angeworbene hansische Kapitäne, denen er mehr zutraute als seinen eigenen Schiffshauptleuten, und die Erfolge, die sie erzielten, sollten ihm recht geben. Allerlei englische Fahrzeuge wurden aufgebracht, und damit war für England der lange gesuchte Grund für eine Auseinandersetzung mit der Hanse gegeben. Den hansischen Kaufleuten auf dem Stahlhof zu London maß man die Schuld bei, Anstifter dieses Unternehmens zu sein. Nicht nur wurde der Stahlhof geschlossen, die dort beschäftigten deutschen Kaufleute ins Gefängnis geworfen, ein Teil sogar ermordet, sondern auch noch die Forderung erhoben, 20000 Pfund Sterling Schadenersatz zu leisten für die von den Dänen erbeuteten Kauffahrteifahrzeuge.

Gleichzeitig rüstete der kampffrohe König Eduard IV. vierzehn Kriegskoggen aus, die dazu bestimmt waren, die hansischen Seestreitkräfte zu vernichten.