Admiral Karpfanger, seine Taten und sein Tod.
Wer schon einmal in Hamburg gewesen ist, dem wird in der Nähe der Hamburger Seewarte eine Brücke aufgefallen sein, die die hochgelegenen Teile der Hamburger Neustadt mit St. Pauli verbindet. Die Pfeilervorlagen dieses Bauwerkes tragen je das Bildnis der bedeutenden Männer, die in der hansischen Zeit während der Seekriege eine Rolle spielten: Admiral Karpfanger † 1683, Ditmar Koel † 1563, Simon von Utrecht † 1437 und Kersten Miles † 1420.
Berend Karpfanger war ein Zeitgenosse des Großen Kurfürsten. Er wurde in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts als Sohn eines Hamburger Reeders und Kaufmanns geboren. Seine Jugendtage sahen die Wirren des Dreißigjährigen Krieges, Handel und Schiffahrt lagen darnieder, und trotz alledem trieb es den jungen Karpfanger hinaus zur See. Der Vater willfahrte seinem Wunsche und schickte ihn nach Holland zu dem berühmten Admiral de Ruyter. Unter der Leitung dieses weitsichtigen und tüchtigen Mannes wurde Berend Karpfanger ein geschickter Orlogsmann, der, wo er auch stand, vollauf seinen Posten ausfüllte.
Als er ausgelernt hatte, kam Berend Karpfanger als erprobter Seemann in seine Heimat zurück und errang hier wegen seiner guten Zeugnisse die Stellung als Admiral des hamburgischen Staates. Seine Tüchtigkeit und Umsicht sollten der alten Hansestadt noch oft von Nutzen sein. Von seinen Taten soll nun erzählt werden.
In der Mitte des 17. Jahrhunderts brachte die sogenannte Türkengefahr den Kaufleuten und Seeleuten allerlei Verdruß. Mit unglaublicher Frechheit fielen die beutegierigen Korsaren, die in den Küstengebieten Nordafrikas ihre Schlupfwinkel hatten, die Handelsschiffe an; sogar eine aus mehreren Schiffen bestehende Handelsflotte der Hamburger raubten diese Piraten aus und führten die Besatzung nach mannhafter Gegenwehr in die Sklaverei. Um diesen Seeräubereien ein Ende zu bereiten, faßten Rat und Bürgerschaft Hamburgs den Beschluß, zwei mächtige Kriegsschiffe zu erbauen und auszurüsten, die den nach Spanien fahrenden Kauffahrteischiffen durch die Mitfahrt Schutz gewähren sollten.
Im Jahre 1668 lief das erste Schiff, ein riesiger Dreimaster, ‚Kaiser Leopold‘, im nächsten Jahre das zweite Schiff, ‚das Wappen von Hamburg‘, vom Stapel. Beide Kriegsschiffe führten je vierundfünfzig Kanonen, meist Achtzehnpfünder, an Bord, dazu standen einige Geschütze auf der Schanze. Das Galion und auch der hintere Teil des Schiffes waren mit Schnitzwerk und Figuren reich verziert. Auf dem Hinterteil befanden sich drei Signalscheiben und zwei große, kunstvoll eingefaßte Laternen. Von den drei Masten trugen die beiden vorderen je drei Rahsegel, der Besanmast führte ein Rutensegel und ein Rahsegel. Die Besatzung der Schiffe, außer dem Kapitän und einer Anzahl Offiziere, bestand aus hundertfünfzig Matrosen und achtzig Soldaten; ferner gehörten zur Mannschaft ein Prediger, ein Profos und seine Leute, Wundärzte, Köche und Bedienungspersonal.
An Bord herrschte strenge Mannszucht, ein unbedingter Gehorsam galt als das oberste Gesetz. Unter Deck durfte ‚Tobak nicht getrunken‘ werden, dazu war Karten- und Würfelspiel verpönt. Wer durch Zänkerei, Trunk oder Fluchen auffiel, bekam Arrest, wer beim Wachtdienst einschlief, wurde ‚gekielholt‘ oder durch Spießrutenlaufen bestraft. Wer gar gewalttätig sein Messer gegen seinen Nächsten zückte, dem wurde die linke Hand mit diesem Messer an einen Mast geheftet.
Diese Kriegsschiffe schlossen sich der Hamburger Handelsflotte an bei ihren Fahrten nach den Häfen- und Handelsplätzen der nördlichen Meere, der Westsee und denen des Mittelmeeres. Im Jahre 1674 ernannte der Rat der Stadt Berend Jakobus Karpfanger zum Befehlshaber des ‚Kaiser Leopold‘, in ehrender Weise umgürtete ihn der erste Bürgermeister mit einem silbernen Degen, und bei der feierlichen Überreichung des Admiralstabes leistete Karpfanger den nachstehenden Eid, den er getreulich bis in den Tod gehalten hat: „Ich will bei der meiner Admiralschaft anvertrauten Flotte mannhaft stehen und eher Gut und Blut, Leib und Leben opfern, als sie oder mein Schiff verlassen.“ Ehrenvoll hat Karpfanger zehn Jahre seine Pflicht getan, und stolz konnte er darauf verweisen, daß während seiner Admiralschaft kein Schiff der Hamburger in die Hände der beutegierigen Korsaren fiel.
Besonderen Ruhm gewann der Admiral im Kampfe mit französischen Kaperschiffen vor der Elbmündung. Fünfzig Walfischfänger, die aus dem Nördlichen Eismeere kamen, hatte Karpfanger mit seiner Flotte sicher in die Elbe zu geleiten. Plötzlich wurden sie von fünf starken französischen Kaperschiffen angegriffen, die die Absicht hatten, einige der schwerbeladenen Handelsschiffe zu erbeuten. Diese Seeräuber trieben ihr Handwerk äußerst frech; weder Freund noch Feind blieb von ihnen ungeschoren, denn sie standen unter dem Schutze des ‚allerchristlichsten Königs‘, dem sie ein Zehntel aller Beute abliefern mußten. Jedoch diesmal sollte ihnen der Raub nicht glücken, Karpfanger hatte nicht vergebens in de Ruyters Schule die Regeln des Kämpfens erlernt. Die Walfischfänger erhielten den Befehl, sich zu sammeln und sich gut auf einem Haufen zu halten, das Schiff des Admirals machte schnellstens klar zu Gefecht; alle Segel waren gesetzt, und stolz wehte die Hamburger Flagge mit den drei weißen Türmen auf rotem Grunde am Maste, drohend blickten die geöffneten Geschützpforten die Seeräuberschiffe an. Karpfanger wagte mutig den ungleichen Kampf gegen die fünf Kaperschiffe; er verließ sich auf seine Leute und auf seine Kriegskunst. Jetzt standen die Hamburger dem ersten Kaperschiff gegenüber, dies begann zu feuern, und die Kugeln sausten durch das Tauwerk des Hamburger Orlogschiffes. Nur wenige Taue fielen ihnen zum Opfer, und dieser Schaden war sehr schnell geheilt.