Doch nun galt’s den rechten Augenblick des Angriffs auszunutzen. Fest und bestimmt lautete die Mahnung Karpfangers „Gut zielen!“ Ein mächtiges Erschüttern ging durch den Schiffsrumpf, sechsundzwanzig Geschütze feuerten ihren Eisenhagel auf den unvorsichtigen Franzosen. Eine Zeitlang lag der weiße Pulverdampf über den kämpfenden Schiffen; als er sich verzogen hatte, lagen die furchtbaren Wirkungen, die der erste Kugelregen anrichtete, offenbar. Zersplitterte Masten hingen über Bord, die Schanzkleidung war durchlöchert und die Boote durchschossen. In Strömen drang das Wasser durch die an der Wasserlinie gefährlichen Löcher in den Schiffsrumpf ein.

Dieser Gegner bedeutete für das Hamburger Kampfschiff nichts mehr. Nun fuhr der Admiral auf das zweite französische Schiff zu; es sollte seinen Untergang finden, ehe die Verstärkung herankam. Die Zeit war kostbar, denn schon eilten die anderen drei ihm zu Hilfe. ‚Kaiser Leopold‘ sandte eine Breitseite hinüber, doch dieser Eisenhagel riß wohl Lücken und Löcher, aber das Kaperschiff blieb lenkfähig und konnte noch rechtzeitig das Weite suchen.

Inzwischen steuerten die andern drei Kaper heran, und besonders der größte unter diesen eröffnete ein verheerendes Feuer auf Karpfangers ‚Leopold‘. Die Schiffsleute mußten sich rühren, um die verhängnisvollen Löcher in der Wasserlinie zu stopfen; Verwundete lagen in den Deckskajüten, zerschossene Taue mußten zusammengespleißt werden. Karpfangers Langmut war zu Ende. „Jetzt zeigt, daß ihr Hanseaten seid!“ lautete die begeisterte Aufforderung an das Schiffsvolk, und mit voller Wucht schoß das Hamburger Orlogschiff auf den größten der Kaper zu. Ein geschicktes Segelmanöver zeigte dem Franzmann die Breitseite des Hamburges, und wieder ertönte der Knall der Geschütze. Nur zu gut trafen die Kugeln der Hanseaten, der Rumpf des Kaperschiffes wurde durchlöchert, und langsam begann das getroffene Schiff zu sinken. Damit war die Macht der französischen Seeräuber gebrochen, sie suchten ihr Heil in der Flucht und ließen die beiden sinkenden Schiffe mitsamt ihren daraufbefindlichen Kameraden im Stich.

Kapitän Karpfangers Sieg über fünf französische Schiffe.
Von Professor Hans Petersen.

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GRÖSSERE BILDANSICHT]

Auch Karpfanger hatte verschiedene Schäden auszubessern, und dadurch ging einige Zeit verloren, dann aber eilte er den eiligen Flüchtlingen nach. Ihr Vorsprung war jedoch zu groß, und so mußte er sie, nachdem noch die Buggeschütze ihnen einen Abschiedsgruß nachgefeuert hatten, flüchten lassen.

An der Spitze der Walfischfängerflotte fuhr Karpfanger in den Hamburger Hafen ein. Der Jubel und die Freude seiner Mitbürger begrüßten ihn, der Rat der Stadt verehrte ihm zum Zeichen der Dankbarkeit für diese Siegestat 300 Taler.

Noch eine andere Heldentat dieses wackeren Seemannes will ich erzählen. Man schrieb das Jahr 1681. Karpfanger segelte an der Spitze der Hamburger Baienflotte nach der spanischen Küste. Als die Schiffe in die Nähe der spanischen Küste kamen, hörten sie in der Ferne Kanonendonner. Afrikanische Seeräuber hatten die von Südamerika heimkehrende spanische Silberflotte angefallen und eines ihrer Schiffe als eine willkommene Prise genommen. Der heransegelnde Karpfanger erkannte schon aus der Ferne die Sachlage und gab Befehl, schnell alle Segel zu setzen, um den raschsegelnden Kaperschiffen ein Schnippchen zu schlagen.

In eilender Fahrt kam das Hamburger Schiff herangebraust; ein tüchtiger Eisenhagel überschüttete die Piraten. In der Bestürzung ließen sie die bereits gekaperte ‚Galion‘ fahren und fuhren mit ihren Schiffen etwas abseits. Nachdem sie sich geordnet hatten, versuchten sie von neuem mit vereinten Kräften auf den ‚Leopold‘ einzudringen, um die verlorene Beute wiederzugewinnen; ja, sie glaubten auch den Hamburger als sichere Beute zu erhaschen. Von zwei Seiten begannen sie den Kampf. Aber sie kannten nicht die Seefahrtskunst des umsichtigen Karpfanger; noch ehe die Piraten recht zum Feuern kamen, segelte Karpfanger an den einen heran und sandte ihm eine volle Breitseite als Willkommengruß in den Schiffsrumpf; die Wirkung war gut. Das Kriegsschiff legte sich auf die Seite und begann zu sinken. Jetzt hielten die beiden anderen Schiffe nicht mehr stand, sie erblickten vielmehr in einer schnellen Flucht ihr größtes Heil. Karpfanger befreite dann die gefangene Mannschaft der spanischen ‚Galion‘, und dabei fielen ihm sechzig Piraten in die Hände. Das eroberte Schiff lieferte er samt seinen Silberschätzen an den König von Spanien ab; die gefangenen Seeräuber tauschte er gegen gefangene Hamburger Seeleute aus. Karl II. von Spanien ehrte den tapferen Schiffshauptmann für diese ruhmvolle Tat durch die Verleihung einer goldnen Ehrenkette.