Unter den Herrschergestalten der Hohenzollern war der Große Kurfürst dank seiner Umsicht und Tüchtigkeit, die gepaart waren mit Weitblick und Energie, der Anerkennung aller Zeiten sicher. Trotz der Ungunst der Verhältnisse in seinem Lande, trotz der Armut und Entvölkerung des von Freund und Feind verwüsteten Landes brachte er es in die Höhe, weil er Ackerbau und Handel stützte, weil er die Erfahrungen seiner Jugend zum Wohle seines Kurfürstentums und dessen Bewohnern anwandte.

Friedrich Wilhelm der Große Kurfürst.

Der Aufenthalt in den Niederlanden zeigte ihm, wie ein kleiner Staat durch Handel und Schiffahrt, die Quellen allgemeinen Wohlstandes, sich zu Macht und Reichtum emporringen kann. Dem klaren Verstande des Großen Kurfürsten mußte auch die Nutzanwendung dieser Erfahrung gelingen, trotz des Neides und trotz der ungetreuen Bundesgenossen, die jene verheißungsvolle und machtvolle Entwicklung des Kurfürstentums Brandenburg mit scheelen Augen sahen.

„Der gewisseste Reichthumb und das Aufnehmen eines Landes kommen von dem Commercium her; Seefahrt und Handlung sind die fürnehmsten Säulen eines Estats, wodurch die Unterthanen, beides zu Wasser, als auch durch die Manufakturen zu Lande ihre Nahrung und Unterhalt erlangen“

schrieb der Große Kurfürst in einem Erlaß. Diese Worte waren seine Richtschnur bei der Verwaltung des Staates.

Schon während der letzten Kriegsjahre des Dreißigjährigen Krieges trug sich der Kurfürst mit dem Gedanken, eine brandenburgisch-ostindische Kompagnie zu gründen. Seine vielfachen Bemühungen um dies weitsichtige Unternehmen scheiterten an der Verschlechterung der politischen Lage, die ihm nicht die erhoffte Gebietserweiterung an der Ostsee brachte, und an der Kurzsichtigkeit der damaligen Handelskreise in den alten Seestädten Hamburg, Bremen, Lübeck, Königsberg, die sich nicht bereit finden konnten, durch Geldbeiträge das notwendige Gründungskapital zusammenzubringen.

Erst nach 1675, nach der Schlacht von Fehrbellin, konnte der Große Kurfürst den Gedanken der Seegeltung Brandenburgs wieder aufnehmen. Der siegreiche Verlauf des Krieges gegen Schweden ermutigte ihn trotz des Mangels einer eigenen Marine, den er bitter empfand, das alte Ziel, die Eroberung und Einverleibung Rügens und Pommerns, zu verwirklichen.

Benjamin Raule.
Nach seinem in Kiel befindlichen Standbild.