Benjamin Raule, ein kühner, unternehmungsfroher niederländischer Schiffsreeder, erbot sich damals, auf eigene Kosten eine Anzahl Kriegsschiffe gegen die schwedischen Handelsschiffe auszuschicken, wenn ihm der Kurfürst Schutz gewähre und ihm Kaperbriefe erteile. Dem Kurfürsten kam der Vorschlag Raules sehr gelegen, dieser hatte dann binnen kurzer Zeit die Ostsee vollständig von schwedischen Schiffen gesäubert, und keines wagte mehr die heimischen Häfen zu verlassen. Dadurch wurde den Schweden der empfindlichste Abbruch getan. Fast schien es, als ob sich alles gegen den Kurfürsten und seine Bestrebungen auf Seegeltung verschworen hätte. Raule ließ bei seinem Vorgehen nicht die nötige Vorsicht walten; so brachte er unter den zahlreichen Prisen auch holländische Güter auf, die unter schwedischer Flagge fuhren. Die Fortnahme dieser Schiffe verursachte in den Niederlanden nicht geringe Aufregung. Die Generalstaaten waren nur bereit, die Feindseligkeiten gegen Schweden mit fortzusetzen, wenn ihr eigener freier Handel zur See nicht gestört werde. Friedrich Wilhelm der Große Kurfürst mußte deshalb aus politischen Rücksichten, um nicht den Bundesgenossen zu verlieren, die eroberten Prisen herausgeben.
Nach der Schlacht bei Fehrbellin konnte Raule mit drei Fregatten, ‚Kurprinz‘, ‚Berlin‘ und ‚Potsdam‘, auslaufen. Zu diesen gehörten noch zwei kleinere Schiffe, ‚Bielefeld‘ und ‚Buller‘, und zu ihnen stießen noch drei Fregatten, die von der holländischen Admiralität gemietet waren. Kurbrandenburgs Flagge wehte am Mast dieser Schiffe, und wenn sie auch nur für drei Monate gemietet waren, entfaltete der rote Adler im weißen Feld nicht minder stolz seine Schwingen am Mast der Schiffe über den Wellen des Meeres, um zu zeigen, daß auch ihm ein Anteil am Meere gehöre.
Glückverheißend waren die Anfangserfolge jedoch noch nicht. Die schwedische Festung Karlsburg an der Weser eroberte die Flotte nicht. Vielmehr kehrten die Brandenburger unter Verlusten heim, und der hereinbrechende Winter machte den Feindseligkeiten ein vorläufiges Ende.
Seeschlacht bei Bornholm. Eroberung des ‚Leopard‘.
Von Professor Hans Petersen.
Im Jahre 1676 erneuerte der Kurfürst seinen Vertrag mit Raule, dem er die Aufgabe stellte, die Küsten Mecklenburgs und Pommerns zu blockieren, auch sollte er mit Hilfe der verbündeten dänischen Flotte Schweden angreifen.
Kurbrandenburgs junge Kriegsflagge wehte in Ehren. Eine Reihe Schiffe, die Kriegskonterbande führten, brachte sie auf. Doch erhielt sie in der Seeschlacht bei Bornholm am 5. Juni 1676 die Feuertaufe, denn die Dänen unter Admiral Niels Juel schlugen die Schweden. Große Freude bereitete in Kurbrandenburg die Kunde, daß die Brandenburger Flotte unter Raule von den Schweden einen Brander von acht Geschützen und eine Fregatte von zweiundzwanzig Kanonen erobert hatte.
Neidvoll sahen die übrigen Seestaaten die Kriegserfolge der jungen Seemacht sich mehren. Dazu ergaben die erbeuteten Schiffe eine willkommene Verstärkung der heimischen Flotte, und die eroberten Prisen deckten die notwendigen Auslagen dieses Seezuges.
Kurfürstlich Brandenburgische Werft und Magazin in Emden.