Für das Jahr 1677 erneuerte der Kurfürst abermals seinen Vertrag mit Raule, der für die Summe von 27000 Talern und die Hälfte des Prisengewinnes auf vier Monate wiederum fünf Schiffe stellte, die sechsundsiebzig Geschütze und dreihundertfünfzig Mann Besatzung zählten. Ferner reihte Raule noch sechs Kaperschiffe mit sechsunddreißig Kanonen und einer Besatzung von hundertvierundachtzig Mann der Flotte ein, zu der außer den im Vorjahre eroberten beiden schwedischen Schiffen der Kurfürst noch vier eigene Schiffe mit siebenundfünfzig Kanonen und einer Schiffsbesatzung von über dreihundert Mann entsandte. Diese Flotte bildete eine nicht zu unterschätzende Macht.

Neben einer erfolgreichen Überwachung der pommerschen Küste führten die Schiffe größere Streifzüge durch das ganze Gebiet der Ostsee aus. Stettin wurde vom Meere abgeschnitten und die Schweden bei Rostock und bei Falsterboe von der Dänenflotte mächtig aufs Haupt geschlagen, so daß sie sich nicht länger auf der See hielt. Stettin fiel. Nun blieb als die letzte und schwerste Aufgabe, um einen vollen Erfolg zu erringen, die Vertreibung der Schweden von Rügen. Auch dies Werk gelang. Unter der tätigen Mitwirkung von Raule und der Dänen unter Führung des Admirals Niels Juel war im Herbst des Jahres 1678 die Aufgabe gelöst worden. Allein die Früchte des Feldzuges sollten dem energischen Kurfürsten nicht reifen. Trotz der Besitzergreifung der Odermündung mußte Friedrich Wilhelm im Frieden zu St. Germain an Schweden die eroberten Gebiete zurückgeben, weil deutsche Fürsten, neidisch auf die Entwicklung des Kurfürstentums, dies zugaben. „Aus meinen Gebeinen wird ein Rächer erstehen,“ rief prophetischen Auges der Kurfürst, und er sollte recht behalten.

Trotz des Unglücks in politischer Beziehung verlor Friedrich Wilhelm den Gedanken an die Entwicklung der Seegeltung seines Landes nicht aus dem Auge. Zur Hebung der Schiffahrt schuf er ein Marinekollegium. Mit den acht gemieteten und vier eigenen größeren Fahrzeugen zählte die brandenburgische Marine nun zwölf Kriegsschiffe, die beständig seebereit lagen. Sie standen unter Raule, der die brandenburgischen Seekriegsartikel auch für seine Schiffe anerkannte und einführte. —

Im Seezuge gegen Spanien bewährte sich die Flotte zum ersten Mal. Im Jahre 1674 verpflichtete sich Spanien, dem Kurfürsten Unterhaltungsgelder für eine Truppenmacht zu zahlen, die er gegen Frankreich im Felde hielt. Da Spanien sich später weigerte, dem Vertrage nachzukommen, und alle Verhandlungen ohne Erfolg blieben, sandte der Kurfürst am 14. August 1680 von Pillau seine Flotte gegen Spanien aus.

Unter dem roten Adler im weißen Felde fuhren sieben Schiffe mit hundertundfünfundsechzig Geschützen und fünfhundertzwanzig Seeleuten aus, um die Schuld einzutreiben.

Wirklich fiel den Brandenburgern ein reichbeladenes Fahrzeug, der ‚Carolus II.‘, in die Hände, doch damit war des Kurfürsten Forderung nicht gedeckt. Deswegen sandte er im nächsten Jahre abermals ein Geschwader aus. Der Befehlshaber hieß Kapitän Aldersen. Zunächst segelte dieses Geschwader nach Westindien, um die spanische Silberflotte zu erwischen; leider entkam diese den Brandenburgern, aber einige wertvolle Prisen fielen Aldersen doch in die Hände. Jetzt fuhr er schnell nach der spanischen Küste, um die Silberflotte noch einzuholen.

Spanien hatte bereits von seinem Plane Kenntnis und sandte ihm vierzehn Kriegsschiffe entgegen. Am 30. September 1681 trafen sich beide Geschwader bei Kap St. Vincent. Aldersen hielt die Spanier irrtümlich für die Silberflotte und griff sie kühn an. Natürlich erkannte er bald seinen Irrtum, floh aber nicht, sondern kämpfte mit größter Tapferkeit zwei Stunden lang mit dem mächtigen Feinde. Dann brach er das Gefecht ab und zog sich in voller Ordnung zurück. Die Spanier aber wagten nicht zu folgen, sie hatten Furcht bekommen. Aldersens fünf Fahrzeuge waren wohl mächtig zerschossen, aber sie blieben doch alle kampffähig, die Spanier hingegen büßten zwei Schiffe ein.

Der einfache erste Bericht des Flottenführers an den Kurfürsten sei hier wiedergegeben:

„Ich berichte hiermit in aller Hast, daß wir vor drei Tagen ein scharfes Rencontre gehabt haben, als wir die spanische Armada, die aus Galicien[21] kam, angetroffen, und da wir meinten, daß es die Galionen wären, haben wir sie mit unseren vier Schiffen angegriffen. Die spanische Armada bestand aus 12 großen Kriegsschiffen und 2 Brandern, doch als ich ihre Übermacht gewahr wurde, suchte ich mich mit meinen vier Fregatten wegzumanövrieren, so daß wir nach einem zweistündigen Gefechte auseinanderkamen. Ich bin dann glücklich mit meinen Fregatten wieder in Lagos eingelaufen, um in wenigen Tagen wieder in See zu gehen. Ich habe in allem zehn Mann an Toten und dreißig Verwundete. Geschrieben auf dem Schiff ‚Friedrich Wilhelm‘ den 2. Oktober 1681.