Als die Negerbande den Berg hinanstürmte, ließ Gröben sie dicht herankommen, dann schoß er mit Granaten dazwischen. Das half! Voller Entsetzen stürzte die Masse davon; der Krieg war aus.
Die Entwicklung der Afrikanischen Gesellschaft ging nicht so vor sich, wie der Kurfürst es erhoffte; die ausgesandten Schiffe brachten nur wenige Erträge, und die Kolonien verlangten fortwährend Zuschüsse. Dazu waren einzelne der Verwalter Betrüger, die nur ihren Vorteil wahrnahmen. Und doch verfolgte Friedrich Wilhelm seinen Lieblingsplan weiter, bis ihm der Tod ein Halt gebot. —
Unter seinem Nachfolger verlor Brandenburg seine Kolonien, deren Untergang bedingt war durch den engherzigen Geist jener Zeit, die für große nationale Aufgaben, wie sie dem Großen Kurfürsten bei seinen Gründungen vorgeschwebt hatten, kein Verständnis mehr besaß; auch fehlte der Wille, sie durch eine leistungsfähige Flotte zu unterstützen.
Zweiter Teil.
Die Geschichte der deutschen Flotte — ein kurzer Überblick.
Als in den Tagen der Hanse Lübecks Flagge meergebietend drei Jahrhunderte in den nordischen Meeren wehte, da pulsierte in den hansischen Städten der Geist der Seefahrer. Aber mit dem Verschwinden der Hanse war auch der Gedanke an eine Flotte hinweggerauscht, bis der umsichtige und tatkräftige Große Kurfürst Friedrich Wilhelm in seinen Kriegen mit Schweden den Wert einer Flotte erkannte. Von seinen für das Kurfürstentum so nützlichen Bestrebungen, auch zur See Geltung zu bekommen, war in den vorhergehenden Abschnitten schon die Rede.
Die Nachfolger des Großen Kurfürsten verwendeten alle Mittel auf das Landheer, die kleine Flotte verfiel. Am 13. August 1720 wurde unter Friedrich Wilhelm I. eine Abtretungsurkunde der Forts von Groß-Friedrichsburg, Akkoda und Arguin unterzeichnet. 6000 Dukaten zahlten die Holländer als Kaufpreis.
Der kriegstüchtige Alte Fritz hat mehrfach bei seinen Kriegsoperationen den Mangel einer Flotte empfunden. Er half sich, so gut er konnte. Einmal stellte die Stettiner Kaufmannschaft einige bewaffnete Schiffe gegen die Schweden zur Verfügung. Es waren dies kleine Küstenschiffe, die, schnell mit Kanonen ausgerüstet, zu Kriegsfahrzeugen wurden, jedoch gegen die Schweden nichts ausrichteten. In der Zeit der kriegerischen Wirrnisse am Beginn des 19. Jahrhunderts fehlte jegliche Flottenrüstung in Deutschland; wohl versuchten einige Generale, nach der Schlacht bei Jena einige Schiffe zu einer kleinen Flotte zu vereinigen, auch arbeitete der nachmalige Kriegsminister von Rauch in der Zeit von Preußens Wiedergeburt eine umfangreiche Denkschrift aus, in der er die Notwendigkeit einer Flotte im Frischen Haff nachwies und neunzehn Fahrzeuge mit viertausend Mann Besatzung forderte. Leider stand dieser erste Flottenplan nur auf dem Papier, er blieb unausgeführt. Nach dem Friedensschluß im Jahre 1815 erhielt Preußen Schwedisch-Vorpommern und damit auch sechs kleine schwedische Kanonenschaluppen, welche die Anregung zum Bau einer kleinen Kriegsflotte gaben. Man blieb bescheiden. Major Longé arbeitete im Jahre 1820 einen neuen Flottengründungsplan aus, der achtzig Fahrzeuge mit viertausenddreihundert Mann Besatzung vorsah. Nur ein Kriegsfahrzeug wurde bewilligt. Im Jahre 1823 besaß Preußen acht Fahrzeuge, von denen fünf mit Geschützen versehen waren. Jedoch vermehrte sich der Widerstand gegen eine Flotte, und auch die im Jahre 1835 gepflogenen Unterhandlungen einer Küstenverteidigungskommission führten zu keinem Erfolg. Das Ministerium lehnte die Gelder rundweg ab, und jede Aussicht auf eine Rüstung zur See war erloschen. Kurzsichtig und kleinlich war die Zeit.