Die erste deutsche Flottille auf der Elbe, August 1848.
Das Jahr 1848 kam. „Schleswig-Holstein, meerumschlungen!“ brauste es durch die Lande, und in jenen Tagen, in denen das Volk um seine politische Freiheit rang, weitete sich auch der Gesichtskreis. Dänemarks kleine Flotte brachte den Deutschen das Gefühl ihrer Ohnmacht zur See bei. „Wir brauchen eine Flotte!“ war die Losung, und das Frankfurter Nationalparlament beschloß nahezu einstimmig, für die Schaffung einer Flotte 18 Millionen Mark zu bewilligen. Die Gelder sollten die einzelnen Bundesregierungen aufbringen. Auch diesmal blieb es bei dem Plane, wenn nicht das deutsche Volk eingriff. Die glühende Begeisterung des Volkes suchte zu erreichen, was den staatlichen Organen abging. Vereine und Komitees bildeten sich; bei festlichen Veranstaltungen wurde Geld gesammelt für den Bau einer Flotte. An verschiedenen Orten kam ein Anfang zustande. Am schnellsten war Hamburg bereit, denn sein Handel wurde durch die dänischen Übergriffe unmittelbar betroffen. Die Reeder des dortigen Flottenvereins sorgten für die Armierung der Schiffe. Godefroy und Sloman übergaben dem Senat drei große Segelschiffe, die zu Kriegsschiffen ausgerüstet wurden. So hat sich das deutsche Volk die Anfänge seiner Flotte selbst geschaffen. Prinz Adalbert von Preußen, der Vorsitzende der damaligen technischen Marinekommission, arbeitete eine Denkschrift aus, die zwanzig Linienschiffe, zehn Fregatten, dreißig Dampfer, vierzig Kanonenboote, achtzig Kanonenschaluppen und eine Besatzung von achtzehntausend Mann forderte. Der Hauptstützpunkt dieser Flottenmacht sollte Kiel werden. Wieder wurde der scharfumrissene Plan nicht ausgeführt. Nur 2 Millionen Gulden konnte der Bund flüssig machen; endlich trugen fünf Fahrzeuge die deutsche Flagge; daß es der kleinen Flotte an Mannschaften nicht fehlte, war eine Folge der Begeisterung der deutschen Jugend. Kriegsmutig zeigte sich die junge deutsche Flotte. Als im Juli 1850 der Friede mit Dänemark kam, da versiegte auch die Flottenbegeisterung. Im Jahre 1852 wurde von der Bundesversammlung die Auflösung der Bundesflotte verfügt. Zwei Fahrzeuge erhielt Preußen als Ersatz für die geleisteten Beiträge, den Rest versteigerte der oldenburgische Staatsrat Hannibal Fischer öffentlich meistbietend. Preußens Finanzminister hatte es abgelehnt, die Gelder für den Ankauf dieser Schiffe flüssig zu machen, und so hatte damals die erste deutsche Flotte, mit Begeisterung ins Leben gerufen, ein unrühmliches Ende gefunden.
Gefecht zwischen deutschen und dänischen Schiffen bei Helgoland.
Von Professor Hans Petersen.
Prinz Adalbert von Preußen.
„Das Band ist zerschnitten, war schwarz, rot und gold!“ so klang es durch die Lande; wohl wurde an den Grenzen Deutschlands viel über diesen unrühmlichen Ausgang gelacht, aber der Flottengedanke blieb lebendig.
Mit der Auflösung der Bundesflotte hatte das preußische Marinewesen eine größere Selbständigkeit erlangt. Zu den vom Reiche erworbenen Schiffen kamen einige Neubauten. Im Jahre 1853 wurde eine eigene Admiralität mit dem Prinzen Adalbert von Preußen an der Spitze geschaffen. Die Entwicklung des Marinewesens war jetzt frei und erfolgreich von Stufe zu Stufe; allerdings ging der Fortschritt nur langsam. Im Jahre 1854 forderte Prinz Adalbert in einer Denkschrift dreiundsechzig Kriegsfahrzeuge, er erhielt sie aber nicht. Dafür aber ging man an den Bau von Werften; durch den Vertrag mit Oldenburg kam Preußen in den Besitz von Wilhelmshaven. Freudig hat Prinz Adalbert für den Marinegedanken gearbeitet, und vieles von dem, was er geschaffen hatte, dient noch heute als Grundlage. Preußen fiel nach der Auflösung der Bundesflotte die Aufgabe zu, die deutschen Interessen im Auslande zu vertreten. An der Stelle der schwarz-rot-goldenen Fahne flog die preußische Kriegsflagge über die Ozeane, überall mit Achtung begrüßt. Die Berichte der preußischen Vertreter im Auslande weisen darauf hin, daß die Sache der Landsleute durch die Zeigung der Flagge eine wirksame Unterstützung erfahren habe. In den nachfolgenden Kapiteln wird noch von namhaften Taten der jungen preußischen Kriegsmarine die Rede sein. Im Jahre 1864, am Beginne des Krieges mit Dänemark, zählte Preußens Kriegsflotte siebzig Fahrzeuge, die aber nur einen kleinen Tonnengehalt hatten und dazu schwach armiert waren. Im Seegefecht von Jasmund, im Treffen bei Helgoland, bei den Gefechten im Wattenmeer hat sich die preußische Marine mit Tapferkeit geschlagen, einen entscheidenden Einfluß auf den Gang der Kriegsereignisse jedoch noch nicht gehabt. Die Erfahrungen im dänischen Kriege haben Moltkes Anschauungen von der schwachen Flotte recht gegeben, und im Jahre 1865 forderte die preußische Regierung 105 Millionen Mark sofort, sowie 15 Millionen Mark jährlich, um eine Flotte von vierundvierzig leistungsfähigen Fahrzeugen zu besitzen. An Leuten, die der Regierung die Mittel vorenthalten wollten, fehlte es nicht. Jedoch Bismarck setzte ohne Einwilligung des Landtages den Ausbau fort. Im Kriege von 1866 bot sich für die Flotte keine Gelegenheit, sich hervorzutun.