Prof. Hans Thoma: ABC-Bilderbuch mit ausgewählten Gedichten von Wilhelm Hey, nebst Originalbeiträgen v. Mathilde Coester, Kassel. Format 31×23 cm, 48 Seiten mit etwa 60 farbigen Bildern von Prof. Hans Thoma, elegant und dauerhaft gebunden 4 Mark, unzerreißbar ohne Textseiten 5 Mark.
„Sicher die schönste Fibel, die je erstand! Da ist das Lesenlernen Vergnügen. Das Kind, das dieses Buch hat, kommt fix und freudig als Leser in die Schule und lacht der Qual der anderen. Es sind viele, viele Bilder darin, manche von großem Reiz.“
Die Kunst im Leben des Kindes.
„Hier sind Bilderbücher, die auch dem weniger Bemittelten echte Kunst bieten für sein Kind.“
Magdeburgische Zeitung.
Hans Thoma, seine Jugend- und Volkskunst
Der Meister, dessen Kunst gleich treffsicher das Natürliche und Idyllische ländlichen Lebens, wie das Romantische und Majestätische in der Darstellung verschiedener Landschafts-Charaktere aussprechen, der mit derselben Naivität und Innerlichkeit heitere antikische Stoffe und Phantasien, wie tiefernste christliche Ideen und Vorgänge behandeln kann, begeht am 2. Oktober d. J. seinen 70. Geburtstag. Ein volles halbes Jahrhundert schöpferischer Arbeit und unermüdlichen Schaffens liegt hinter ihm. Überblickt man die ungewöhnlich große Fülle von Werken und Gestaltungen, die Thomas Künstlerwille hervorgebracht hat, so kann man ohne Einwand wohl sagen, daß dem Meister kein Schaffensgebiet verschlossen, keine Ausdrucksweise versagt geblieben sei.
Reine und nur durch die Gegenwart bedingte Freude an den Dingen, die auch alltägliche Gegenstände und Vorgänge in eine vollkommene und oft traumhafte Schönheit hinaufheben kann, bildet den Urgrund von Thomas Kunst. Solche Unbeschwertheit im Genusse der Erscheinungsformen gehört nur der Jugend als Eigentum an. Es ist deshalb auch leicht begreiflich, daß der schaffensgewaltige Meister ein besonderes und liebevolles Verhältnis zur Jugend hat, und es ist mehr als ein familiärer Zufall, es hat eine tiefe sachliche Bedeutung, wenn Thoma die Bilanz seines menschlichen und künstlerischen Seins im „Herbste des Lebens“ einem Kinde widmet, und wenn er in dem ABC-Bilderbuch und in seinen Malbüchern einen Extrakt seiner Kunst der Jugend darbietet.
Es ist wohl ein einziger Fall, daß ein Künstler von der Bedeutung Thomas direkt an die Jugend sich wendet. Nicht etwa, daß er eine Auswahl seiner Werke, in das übliche Albumformat gesammelt, darbietet. Nein, er vereinfacht und überträgt seine Werke geradezu in die jugendlichem Genießen gemäße Einfachheit.