„Ich verdiene nichts. Ich kann nicht sorgen für die Schwester. Meine Schwester soll nicht weinen und hungern wie die Andern, nicht frieren! Es ist so kalt ... kalt ...“

„Gott wird für sie sorgen,“ sagte der Fremde.

Der Rothe lachte.

„Es giebt keinen Gott,“ sagte der Junge unruhig. „Alle sagen, er ist nicht und dass es nur eine Kinderfabel ist. Wer nicht arbeiten kann und krank wird, der stirbt und verdirbt. Reiche Leute [pg 23]haben es gut in der Welt und sind geehrt. Die Andern holt der Teufel.“

„Amen!“ machte Fritz Kuhlemann.

„Es giebt keinen Teufel,“ sagte der Fremde ruhig. „Gott kennt keine reichen Leute und keine armen. Er liebt Alle.“

Wieder lachte der Rothe, scharf und schrillend.

„Ich habe Schmerzen,“ wimmerte der kleine Handwerksbursche. „Es zerreisst mir die Glieder. In meinem Kopf geht es wie eine Säge. Alle Knochen krachen. Ach, das ist die Folter! Wasser! Wasser!“

Es war kein Brunnen zu sehen ringsum, zwischen den Schmutzlachen, all’ dieser triefenden Feuchtigkeit, die von den Dächern rieselte, die Kleider festklebte am erstarrten Körper.

„Ich habe Hunger,“ klagte der Sterbende.