Weil sie nicht warten konnten, bis der Wein reif ward und duftig. Nicht schauen, bis sie die Ferne erkannten und Richtung ihres Schiffens. Weil sie jung waren, das Blut siedend schoss in ihren Adern, das lind sein musste vom Denken, der weiten Herzlichkeit ihres Liebens.

Diese aber auch liebten zu sehr sich selbst, dass sie wie brennende Fackeln sich verzehrten im Leeren. Die Licht gegeben hätten, reines Feuer zum Leuchten, so sie doch nur geduldig gewesen, sich selbst gereinigt hätten vom Unreinen.

Und die Andern, die gar kein Licht hatten, sondern dunkle Klötze blieben, die mühsam denen ihre schiefen Strahlen auffingen, vom Scheiterhaufenleuchten der Grossen ihren Weg suchten im Finstern, schnobernd wie die Schweine nach Trüffeln, oder niedrige Hunde auf der Fährte des Aases – spotteten über solche, zeigten auf sie in Schadenfreude: „Die verzehren sich und sind [pg 264]gar nicht, Rauch und Asche. Wir stehen fest und finden.“

Denn sie brauchen nicht viel zu finden, wie der Wurm immer noch Nahrung findet in seinem Koth, dem Maulwurf die Larven niemals fehlen in seiner niedrigen Dunkelheit.

Aber der Adler, der sehr hoch fliegt, hat oft sein Futter nicht für seine Jungen, wenn Alles unter dem Schnee vereist liegt. Dem seltnen Vogel, der lieblich singt, stellen die Vogelsteller nach. Sein glänzendes Gefieder lockt Gelüste der Räuber.

So dass diese niemals aufkommen, die die Schönheit nackt gesehen hatten und priesen, weil ihre eignen Augen unrein waren und ihre Worte die Wollust verriethen. Die Andern aber, die gar nicht sahen und von Wollust voll waren wie die geile Erde vom Mist, – dass sie nicht einmal wussten, dass eine Keuschheit war, den reinen Mond befleckt hätten in ihrer Unreinheit, – waren gross und sprachen die Urtheile über wichtige Dinge.

Und man nahm ihr Recht für das Recht. Und ihre Wahrheit für die Wahrheit, dass eine grosse Verwirrung war, die nichts mehr sahen, in der Dunkelheit tappten wie Blinde und Trunkne.

Alles dies that seinem Herzen sehr weh. Der Ekel am Leben stieg in ihm auf und würgte ihn an der Kehle wie bittre Galle, so dass er in sich selber sprach: „Besser wäre die Welt gar nicht, Feuer und Schwefel vom Himmel, denn dies! Und besser ein dumpfes Thier, oder eine Pflanze, die wächst und stirbt, denn dieses Halbe im Staube, dem niemals die Flügel der Seele wachsen. Besser, viel, viel besser ein Niegewordnes, Ungeschaffnes, als das niemals ganz wird, nicht leben kann und nicht sterben.“

Seine Seele in ihm begann zu hadern mit Gott, dass er die Güte so klein geschaffen und die Grösse niemals gut, die Reinheit sich verdarb an ihrer eignen Spiegelklarheit und die Unreinheit mit dem Schwert der Reue durchgestochen blieb, dass die Menschen sich drehten wie aufgespiesste, unselige Fliegen an ihrem Stachel. Der Stachel war in ihrer eignen Brust und bohrte sich tiefer bei jeder Drehung.

Und er sprach zu sich selbst: „Wozu so viel Qual und Leiden? Hast Du sie geschaffen aus Hass oder wurden sie empfangen in Güte? Ist Dein Zweck mit ihnen Gnade oder ist es Neid des Mächtigen, Allherrschenden gegen das Kleine, [pg 266]Auch-Strebende? Bist Du gut? Oder sind sie besser wie Du, und nur eine Zeit ward Dir Macht gegeben, sie zu quälen, im Staub Gebannte, die ringen und stolz sind? Bist Du der Teufel? Der Ganz-Mächtige nicht? Und es ist ein viel Mächtigerer, Unbegreiflicherer Dir und mir, und der in ihnen ist? Wird er triumphiren, klar sein eines Tages? Und unsre Güte war vor Ihm Halbheit? Unser Licht war Dämmerung? Sage mir, wer Du bist? Wer ich bin für Dich? Dann lass mich mich hinlegen und sterben. Denn meine Seele ist müde in mir. Das Licht des Tages thut meinen Augen weh und der Lärm der noch Arbeitenden beleidigt mein Ohr. Ich grüsse die Nacht, die dunkel ist, wo gigantische Schatten schweigen.“