Aber ein solch wundersames Buch war nicht geschrieben seit die Welt stand. Und zeigte den Strom des Lichts von Gott, vom Licht ausgehend, [pg 288]durch alle Zeiten und Alter, wie er Form und Blut geworden in Golgatha, und floss in herrlicher, schimmernder Fluth. Um die Häupter der Heiligen, niedrige Stirnen der Suchenden, Bibelerforscher, Bastillestürmer. ... Immer mit nie fehlender Sicherheit der Gang zum Licht.
Das endete ausbrechend mit der grossen Apotheose: Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen. Gold – das Reichste, daran des Menschen Herz hängt, Weihrauch, der den Aufschwung der Seele begleitet, und Myrrhen, die feinste, edle Blüthe der schönen Künste.
Dies Buch war in der wunderbarsten Sprache geschrieben, die wie Gesang ging. Die Worte waren einfach und tief, dass die Weisesten davor ehrfürchtig standen und die Einfältigen sie fassen konnten. Die Kraft dieser Worte war wie ein zweischneidendes Schwert und ihre Süsse süsser denn Honig, feinster Duft der Blumen.
Ein solches Buch war nicht geschrieben worden und es stand leuchtend und in Erz gegraben, was man an ihm drehte und deutete. Im Gegentheil, seine Strahlen wurden rother und inbrünstiger. Alle rothe Wuth und Finsterniss der Welt konnte das leuchtende Buch nicht umstossen.
Wie auf das Volk die Rede des grossen Socialisten, so wirkte das Buch auf die Gebildeten. Es gab vornehme Herren und Grafen, die ihre Güter abgaben und niederstiegen zu den Geringen. Die Frauen richteten sich auf in leuchtender Keuschheit. Was man als Notwendigkeit mit Widerwillen geleistet, wurde wieder die herrlichste der Tugenden. Maler und Bildner ergriffen begeistert Pinsel und Meissel. Es war ein Wettlauf nach der leuchtenden Schönheit, wie er nie gewesen. Ahnend standen die Völker vor den Werken der Geweihten, denn solche Schönheit war nicht gesehen worden.
Und jubelnd noch einmal schwang der Sang des Unbekannten sich auf, im schwindelnden Adlerflug der Seele, das Hohelied des Lichts, das Neue Jerusalem, die Stadt, die den Schatten nicht kennt. Die Farben steigen an in Tonleitern, Symphonieen des Glanzes schwingen sich schwirrend, der trunkne Pinsel, in Sonne getaucht, stolzirt im tönenden Reigengesang der Edelsteine. Zum schmetternden Tedeum vereinen sich die Lichtspender.
„Der erste Grund war ein Jaspis, der andre ein Saphir, der dritte ein Chalcedonier, der vierte ein Smaragd.
„Der fünfte ein Sardonyx, der sechste ein Sarder, der siebente ein Chrysolith, der achte ein Beryll, der neunte ein Topas, der zehnte ein Chrysopras, der elfte ein Hyacinth, der zwölfte ein Amethyst.
„Und die zwölf Thore waren zwölf Perlen und ein jeglich Thor war von einer Perle; und die Gassen der Stadt waren lauter Gold als ein durchscheinend Glas.
„Und ich sah keinen Tempel darinnen, denn der Herr, der allmächtige Gott ist ihr Tempel und das Lamm.