Der Mond war aufgegangen, ein ganz klarer, heller Mond, den man niemals erwartet hätte aus diesem Nebel. Er stand ruhig mit sattem, blauem Schein im Grau, das jetzt ganz ungefährlich erschien, die einförmige, milde Trauerfarbe der Nacht, eine sanfte Schwermuth der tieferen Töne und Farben des Lebens. Im Mondschein stand der Fremde. Er stand ohne Hut, im Licht, das leise fluthete.

Der Mann starrte ihn an. Seine Augen traten fast aus ihren Höhlen, die Stirn unter den wüsten, rothen Haarzotteln arbeitete furchtbar.

Der Fremde sah ihn an.

„Du hast ihn geliebt, den da“ ... sagte der Fremde. „Er war oft müde. Du gingst langsamer um seinetwillen. Du schliefst schlecht, damit er besser läge. Manchmal hast Du ihm Brod gegeben, wenn Du selbst keins hattest. Und der Hund hat Dich zerrissen um das Wasser, das Du ihm brachtest. – Ich kenne Dich, Fritz Kuhlemann.“

„Teufel!“ stiess der Andre hervor.

„Du hast ihn sehr gekränkt,“ fuhr der Fremde fort. „Aber Dein Herz war wund, als es ihm harte Worte gab. Der Pflug war über Deine Seele gegangen und hat sie zerrissen, eh’ sie wild klang und falsch. Du hast geliebt, eh’ Du hasstest.... Ich kenne Dich wohl, Fritz Kuhlemann.“

„Herr ... Herr ...“ stammelte der Bursche.

„Und sie haben Alle geliebt. Deine Mutter, die Dich in die Gosse legte, weil sie kein Brot hatte, Dich zu füttern, als ihr Herz sich in ihr wand in Angst über der Qual ihrer Eingeweide. [pg 26]Der, der Dich zeugte in einer Stunde, wo er sich selbst vergessen, der niemals sich vergass. Gott, der die Welt gemacht hat, weil er liebte. Die Liebe ist Schmerz. Im Schmerz der Liebe liegt der Urgrund alles Geborenen.“

„Wer bist Du?“ schrie der Andre auf.