Der Arzt erklärte, dass dies eine häufig vorkommende specielle Form des religiösen Wahnsinns sei: „Wir haben hier Chiliasten, Gott Vater, eine Jungfrau Maria, Apostel Paulus und Petrus. In Wahrheit ist dieser Mensch ein schwachsinniger Zimmermannssohn aus dem Württembergischen. – Braucht man bündigere Beweise, dass es Zeit ist, mit dem alten Priesterhocuspocus aufzuhören?“
Eine der Damen sah ihn lange an: „Er hat schöne Augen ...“
Die Besucher gingen wieder. Es fing auch schon an dämmrig zu werden.
Dann begab sich etwas Schreckliches, niemals Geklärtes, vor dem denen, die es später sich erzählten, die Haare sich sträubten, wo die Vernünftigsten den ewigen Blödsinn der Dinge zugeben müssen und stumpfe Hirne peitschende Schauer der Unwelt fühlen.
In der Kapelle fand man den Wahnsinnigen, den Ewig-Stummen, den zum untersten Abgrund Geketteten. Man erfuhr niemals, was ihn dahingetrieben, wer den Andern herführte, welcher furchtbare Auftritt stattgefunden zwischen diesen Beiden, deren Einen Keiner kannte.
Der Irre hatte den Fremden an das Kreuz gebunden. Die Stricke waren seine Kleider, die er sich abgerissen hatte. Aus zertrümmertem Holzgeräth, Bänken und Stühlen, hatte er Nägel, Eisentheile, geklaubt. Dieser ganz nackte, misshandelte Leib war buchstäblich zerstossen, zerschunden, erwürgt damit. Er stach sie ihm in die Stirne. Er schrie, er lachte. Mit einem schweren zugespitzten Holzstück sah man ihn grosse Streiche führen nach [pg 398]der Seite unter der Brust, von wo dickes, schwärzliches Blut troff:
„Du hast die Welt zerstört! Du! Du!...
„Die Schönheit hast Du getödtet, den Ruhm, die Lust!
„Sie leben noch, aber Du hast sie vergiftet. Du hast ihnen das Gift in’s Herz geträufelt. Schlange Du! Erste Schlange! Verfluchte!