„Mit Deinen zerrissnen Händen hast Du die Kraft unsrer Hände zerbrochen.
„Deine Füsse, die angenagelt sind, haben uns festgebohrt.
„Aus Deiner Seite fliesst unser Lebensblut.
„Die Stricke umwürgen unsre Leiber und machen sie hässlich.
„Von Deiner Stirn die Dornen sind in unsre Hirne gedrungen ... Die Dornen von Deiner Stirn! Die Dornen!“ ...
Seine Stimme erstarb in wimmernder Klage. Er hatte seine Haare gepackt zu beiden Seiten des Kopfes. Ganz nackt, mit blutigen Händen, über und über mit Blut beschmiert, raufte er sie aus in vollen Fäusten.
Und es war eine Aehnlichkeit, eine furchtbare, schauerliche Brüderlichkeit in diesen beiden ge[pg 399]marterten, verrenkten Leibern, dem todten und dem lebendigen, dem, der vollendet hatte und dem, der niemals vollenden würde, ... seinen Gliedern gekrümmt und schlaff geworden durch das Sitzen, die Schreibtischarbeit, den Händen zu fein und zu lang, die nicht mehr fassen konnten, verkrüppelten, zagen Füssen, die das Gehen verlernt. Viel zu hoch war diese Stirn, blass vom Gedanken, vorgeschoben über das ganze übrige Gesicht mit allen Organen der Sinne. Die wirren Haare bildeten eine fürchterliche, struppige Aureole.
Er riss seine Brust auf, als ob er sein Herz packte, es ihm hinschleuderte in Hohn und Verzweiflung: „Teufel! Teufel!“
– – – Der Blödsinnige lachte, sein leises, triumphirendes Lachen. Er that, als ob er sein Weihrauchfass schwänge, bückte sich und küsste die Altarstufen. Die Frau in schwarzen Trauerkleidern weinte. Ein monotones, endloses, zweckloses Weinen ...
Der Sohn des Menschen, vom Kreuz, todt, mitleidig, erhaben, sah herab.