„Geh!“

Er ging.

Der Trunkenbold lachte auf mit einem hässlichen Gluckser. „Ein Schmatzchen, Haseken. Du – Du ...“ Er griff schwankend in die Luft. Es reichte nicht mehr, wie ein Bleisack sank er schwer zusammen.

„Leg ihn schlafen,“ sagte der Fremde. Das Weib schnellte gegen ihn an wie eine gereizte Viper. Dann gab sie der schnarchenden Masse einen verächtlichen Fussstoss. „Vieh!“

Sie stiess ihn gegen die Kammer mit rachsüchtigen Püffen und Tritten, dann nahm sie ihren Besen und kehrte wüthend.

Die kühle Nachtluft strich durch den schweren Fuseldunst. Alle Lampen brannten. An den [pg 41]Wänden hingen patriotische Bilder, Reklameschilder mit Emblemen der Arbeit, eine schwere Faust, die den Hammer emporhält, einem Tischler an der Hobelbank. Jemand hatte allerlei Unfläthigkeiten angeschrieben. Dazwischen machte sich ein widerliches, süsses Moschusparfüm fühlbar, der von dem Mädchen ausging. Sie hatte die Hände vom Gesicht genommen. Sie schielte zwischen den Fingern wie ein unartiges, gescholtnes Kind. Es erschreckte sie, dass sie so allein waren. Sie begriff nicht. „Sie sollen nicht weggehen! Der Dicke würde mich heirathen. Vier Göhren hat er zu Haus. Hundertundfünfzig Mark im Monat und die ganze Einrichtung. – So Einer; der’s Einem hinterher alle Tage vorwirft! Zweiundvierzig Jahre ist er schon, krumm wie’n oller Zumpelbär. Der drückt Einen ja todt. Taps, dämlicher!“

Sie lachte leichtfertig, ihre blonde Mähne schüttelnd, die Augen eingekniffen.

„Der Andre, Wernicke, der ist ein ganz Feiner. Gestärkte Hemden trägt er sogar am Alltag. Er kriegt auch einen guten Lohn bei Krüger. Er ist der Erste da, der Alles allein macht. – Dieser Fritze! Das ist so komisch. Komisch ist der!“

Ihr Lachen rang sich auf in hellen, klingenden Trillern. Sie lachte, dass ihr die Augen übergingen. Ihr ganzer Körper krampfte sich unter dem Lachen.

„Alle Leute haben mich gern, weil ich immer lustig bin. Und Kinder! – das is immer Leneken hier, Leneken da! Wir haben eine alte Frau im Haus, die lahm ist und zu Bett liegt. Ich bringe ihr Kaffee und Chocolade. O, ich thue auch das Meine.