„Und Gott?“ fragte er.
„Gott auch liebt,“ sagte sie träumend. „Er hasst nicht. Das Gute ist dasselbe wie das Böse. Alles ist ein Leben und es dreht die Welt. Die Thaten, die gethan werden, sind seine Aeusserungen. Es ist nichts gut und nichts schlecht. Es ist wie es ist.“
Er antwortete nicht. Sie seufzte. Die müde Traurigkeit erschien wieder in ihrer Haltung, dem Körper, der sich zurückbog, während die Linie des Halses straff wurde.
„... Sie haben Kirchen gebaut. Ich habe versucht in der Kirche zu beten. Die Sehnsucht erstickte mich.... Hier ist es besser.“
„Es ist besser hier.“
„Sie sind zu eng, die Kirchen. Dies Alles müsste mit hinein. Viel, viel mehr als die alte Geschichte. Und die neuen Geschichten. Das ist weit – weit ...“
Sie zeigte mit ihrer Hand. Von allen Seiten wallten die Nebel. Es glitt über die Felder. Das Entfernteste verlor sich im Ferneren und das Nahe schien weitgerückt, aufgesogen im Allen ...
Eine Fledermaus strich leise mit unhörbaren, schwarzen, tappenden Schwingen. Näher und wieder weiter, geheimnissvolle Kreise ziehend. Sehr deutlich sah man die feinen Krallennägel, zwischen denen die Flughäute angemacht waren gleich Stofffächern eines Regenschirms, den kleinen, platten Kopf mit spitzen Zähnchen, die nach Insekten schnappten, sie rasch zerrissen. Eine Eidechse kam hervor unter der Brunnenmauer. Sie blieb da wie angewachsen, horchend. In der Saat putzten sich die Hasen und machten Männchen. Sie ohrfeigten einander mit harten, flinken Pfoten und hamsterten leise in sich hinein wie Geizhälse. Ein Fuchs schlich auf Raub mit vorgestreckter spitzer Schnauze und fuchtelnder Ruthe.
Ganz fern quakten Frösche im Feuchten. Von allen Wiesen stieg der Athem auf.
Sehr lange sassen sie.