„Aber erlauben Sie! Erlauben Sie!“ Der Superintendent hielt seine halbgeleerte Kaffeetasse in der Hand, in der er den dicken, bräunlichen Zuckerseim hin- und herschob. Er nahm gern ein [pg 112]bischen viel Zucker; bei andern Leuten kostete es nichts. „Unser Herr hat durchaus nicht gewollt, dass die Gläubigen sich kasteien. Das ist eine ganz irrige Auffassung, katholische Ketzerei: hat er doch selbst auf der Hochzeit zu Kana das Wasser in Wein gewandelt, durch seine gesegnete Gegenwart den heiligen Ehestand ausgezeichnet.“

„Er hat doch aber selbst nicht geheirathet, Maria oder Magdalena?“ Dies war ein vorlauter Lieutenant.

„Diese Ausnahme lag doch wohl in seinem heiligen Amt. Und wir müssen nicht vergessen, dass er in verhältnissmässig jungen Jahren –“

„Sie meinen, er ist nicht alt genug geworden dazu,“ sagte der Prinz. „Das ist auch eine Auffassung.“

Diese Bemerkung erregte allgemeinen Jubel.

„Das ist profan! Das ist profan! ... Wirklich, meine Herren! ... Sie müssen selbst einsehen ...“

Der Prinz klopfte ihm auf die Schulter. Er mochte begreifen, dass sein Scherz etwas zu weit gegangen war: „Darum keine Feindschaft nicht. Ich weiss ja, wir brauchen das für die Dummen.“

Der Candidat ärgerte sich. Die Kirche musste eine ganz andre Gewalt wieder haben. Und es wäre in der That gut gewesen für die Stellung des Priesters – er sagte immer „Priester“, er fand, dass das nach mehr klang – wenn das Cölibat innegehalten würde. Wenigstens für die höheren und höchsten Kirchenämter. Vieles in der römischen Kirche war sehr beherzigenswerth.

Der Landrath verstand ihn. Er war auch dieser Meinung, übrigens war sie jetzt die tonangebende. „Die militairische Organisation muss durchgeführt werden, mehr Disciplin! Diese Disciplin ist Alles.“

Ein Umschlag in der Meinungsäusserung war eingetreten.