„Nichtsdestoweniger giebt die Schrift ausdrücklich die Möglichkeit solcher zu. Nicht nur im übertragenen, sondern auch im wörtlichsten Sinn.“
„Wir sollen Gott nicht versuchen. Vermessenheit, Freund, Vermessenheit! Es ist die grosse Aufgabe der modernen Theologie, die Wissenschaft mit der Religion zu vereinigen.“
„Es wird immer Vieles bleiben, was wir nicht wissen.“
„Da haben wir uns dann wohl in Demuth mit der beschränkten Einsicht hienieden zu genügen. Das ist eine gefährliche Bahn, lieber Bruder. Eine Schlinge des Argen, ebenso gut wie die er in der Lauheit uns legt, dem vollständigen, rationalistischen Ablehnen des Wunderbaren und Unfasslichen. ‚Wir sehen jetzt durch einen Spiegel [pg 140]in einem dunklen Wort. Dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich es stückweise. Dann aber werde ich erkennen, gleich wie ich erkannt bin.‘“
Hier meldete das Dienstmädchen, dass ein fremder Mann in der guten Stube wartete. Sie war augenscheinlich etwas in Zweifel, ob ihm wirklich die gute Stube gebührte und wartete auf Bescheid. – Man hörte eine Thür sich öffnen und vorsichtig wieder einklinken aus dem Zimmer, wo die Frau Superintendentin mit ihrer Freundin sass.
Der Superintendent empfing den Gast dem Programm gemäss mit demonstrativer Herzlichkeit. „Nun, lieber Freund? Nehmen Sie Platz, mein Lieber! Ich habe Sie hergebeten mit diesem meinem sehr geschätzten und verehrten Collegen, um mich mit Ihnen über Ihre religiösen Ansichten zu unterhalten. Das ist immer lehrreich für einen Diener am Wort, gewissermaassen ja auch meine geistliche Pflicht, obgleich Sie ganz als Freund hier sind, mein Gast und in aller Güte. – Ich vermuthe, Sie gehen von der sehr richtigen Ansicht aus, dass das Evangelium den Laien wieder mehr in der Form des täglichen Brotes gleichsam, nicht nur an Sonntagen in der Kirche, näher gebracht [pg 141]werden muss. Es soll wieder ein Bestandtheil des täglichen Lebens werden, und Sie denken, dass dazu Predigt und persönliche Ansprache, selbst Aufsuchen des Einzelnen, das Geeignetste ist. Es wären dies wohl gleichsam die Principien, auf die sich die mir sehr interessante moderne Agitation der Heilsarmee stützt. Ich möchte, dass Sie mir nun in kurzen Worten das Dogmatische Ihrer Lehre, den festen Kern der Heilswahrheiten, auf die Sie persönlich den Hauptnachdruck legen, entwickelten.“
„Ich habe keine.“
„Sie verstehen mich nicht. Jedenfalls gehören Sie doch irgend einem Bekenntniss an, oder haben sich in Ihrem Innern für ein solches entschieden? Wenn Sie Protestant sind, halten Sie sich an die Augsburger Confession? Folgen Sie eher Luther? Jedenfalls doch – und das ist wohl kaum eine Frage – stehen Sie mit uns auf dem Boden des apostolischen Glaubensbekenntnisses?“
Der Superintendent sah ihn streng an.
Der Confrater nahm eine Prise.