„Das ist bildlich gemeint,“ sagte der Reiter. „Wer dem Ganzen dient, ist Aller Knecht.“
„... Und er nahm seinen Schurz und wusch ihnen die Füsse,“ sagte der Fremde milde.
„Das ist doch auch nur symbolisch.“
„Du glaubst, dass das Kreuz ein Symbol ist?“ Der Fremde lächelte – ein trauriges Lächeln. Man sah eine Qual von zweitausend Jahren, versteinert gleichsam, wie lange gestorben, die lebte.
Der Reiter sah ihn ungewiss an. Er zitterte. Der Sturmwind draussen blies zum Umwerfen. Und es war sehr finstre Nacht.
„Gewissermaassen ja. Das Leben ist eine Art Kreuz. Wir hängen am Kreuz. Jeder, der den Kampf des Lebens ficht. Auch Unsereiner hat in sich zu kämpfen, mehr denn Andre. Du sagtest schon, die furchtbare Verantwortung. – Auf Einen fällt der Fehler. Es ist schwer, Recht zu scheiden vom Unrecht. Für dieses schwere Amt müsste man Vorrechte haben. Wer wollte freiwillig es auf sich nehmen?“
„Glaubst Du, dass es Keiner möchte?“
Der Reiter verwirrte sich. „Es muss doch sein, um der Ordnung willen. Es ist besser, dass das [pg 205]Festgefügte bleibt. Einer, um den kein Kampf ist, der den Ehrgeiz nicht kennt, Neid, Niedrigkeit. Das Alles haftet dem Emporgekommenen an. Der Purpurgeborne kennt es nicht. Ist er nicht edler?“
„Gottes Sohn hatte zu seiner Rechten mehr denn zehntausend Legionen Engel. Er liess sich binden und kreuzigen.“
„Er war der Edelste. Das ist nicht menschlich, das ist göttlich.“