Eine lange Pause entstand. Der Fremde hielt das Haupt geneigt. Es waren auf seiner Stirn rothe Spuren wie von Schärfen, Spitzen, die eingedrungen waren. Er hatte Narben in den Händen. Ein Schmerz, wie von einer schweren, nie geheilten Wunde schien in seiner Seite zu wohnen. Er legte die Hand in seine Seite. Er seufzte.

„Und wenn ich es thäte?“ fuhr der Reiter fort. „Wer hätte den Vortheil? Ein Andrer, der käme und schlimmer wäre, vielleicht weniger tief angelegt, – ein Leichtfertiger. Ein Tyrann. Wem wäre geholfen? Und was ist Einer?“

„Einer war und er that.“

„Selbst dieser Eine ...? Ist die Welt besser geworden? Die Formen der Unterdrückung haben gewechselt. Vielleicht sind sie weniger roh. Sind [pg 206]sie darum weniger grausam? Ist Hunger, Krieg, Ungerechtigkeit verschwunden? Er war Gottes Sohn und starb vergebens. Wer bin ich?“

Der Wind hatte einen neuen Einlass gefunden. Er stiess hinein wie in eine Trompete. Ein Fensterglas zersplitterte. Es klang wie Gelächter, das Lachen von tausend Kobolden und Dämonen. Der Fremde antwortete nicht.

„... Es könnte sein, dass Umwälzungen kämen,“ sagte der Reiter, „allgemeine, durch einen Umschwung des Denkens erzielte, langsam vorbereitete. Vielleicht kommt es so? Ich weiss nicht. Wem ist es gegeben zu erforschen? Man muss bleiben, wo man hingestellt ist, sich genügen lassen, sein Bestes zu thun. Unsre Einsicht ist unvollkommen. Langsam nur geht die Zeit. Ich bin nicht ein Erlöser. Nicht ein Genie ... Ich thue meine Pflicht.“

Er hatte seinen Mantel wieder umgenommen. Er rief nach seinem Pferde. Diese ritten hinaus wieder in die Nacht.

Ueber ihren Häuptern fegte der Sturmwind. Er sang wilde, triumphirende Weisen.

Hoiho – hoiho – triumphirte der Sturmwind.