Wie überlegen sind sie uns! Nur das eine Ziel verfolgend – Weib sein – Mutter – wissend, dass darin die ganze Lebensleistung, die ganze Bedeutung des Geschlechtes beruht.

Ich versuche, sie teilnehmen zu lassen an meinem früheren Leben, meiner Kindheit, den Eindrücken und Ereignissen, die auf [pg 76]meine Entwicklung massgebend gewesen sind. Auch meine Fehler, meine Irrtümer verberge ich ihr nicht. Sie soll mich sehen, wie ich wirklich bin.

Das ist hart. Es ist die gerechte Strafe. So straft sich der Mann dem reinen Weibe gegenüber. So aber auch wird das reine Weib seine Erlösung, das Verworrene in ihm geglättet, die hitzige Leidenschaft zur edlen Lebensträgerin.

Sie sagt nicht viel. Ich halte ihre Hand. Sie entzieht sie mir nicht. Ich schäme mich nicht, es zu sagen – neulich habe ich sie mit Thränen benetzt.

Sie war betroffen.

Nein, Mathilde, Gute, Fromme, ich will gut sein! Du sollst nicht zurückschrecken brauchen vor mir.

Wenn ich jetzt so zurückkehre in mein [pg 77]Junggesellenheim, Grumke mir das Abendbrot aufgetragen hat, dann male ich mir unser künftiges Dasein aus. Sie sitzt am Tische, an meiner Mutter Platz, mit aufmerksamem Auge und leisen Bewegungen Alles leitend und lenkend.

Es ist ja nicht, dass sie eigentlich thätig ist. Ich schwärme nicht mal für diese sogenannten „guten Hausfrauen“ – unablässige Scheuerfeste, Küchenmobilmachungen. Ihre Gegenwart, ihr blosses Dasein ist es, das Alles wohlgeordnet macht, Allem etwas Festliches, Heiteres gibt.

Dann freue ich mich, dass ich reich bin, dass diese kleine, weiche Hand nicht hart und braun werden braucht, dieser zarte, schlanke Rücken gebeugt vom Herdfeuer und mühseliger Flickarbeit. Nicht dass ich diese Frauen missachte! Ich verehre sie! [pg 78]Ihre harten Hände rühren mich. Sie sind der beste Teil unsrer Volkskraft. Der Staat sollte ihnen Denkmäler setzen wie seinen Helden.

Aber doch bin ich dankbar, dass es nicht sein braucht, dass auch das Ästhetische gewahrt werden kann in unsrer starken und guten Liebe.