Was wäre das Leben ohne das? Möchte sie die Schmerzen lassen? Die Angst? Das Todesschauern in der Hochstunde des Lebens?
Und wir liegen nicht vor diesen hohen, himmlischen Wesen auf den Knieen und küssen ihnen die Füsse, wie der Katholik seiner Madonna!
Die Männer sind Egoisten. Was würden sie sein, wenn es nicht holde, zarte Wesen gäbe, um sie zu mahnen, dass es etwas Höheres giebt, als Kraft, Ehrgeiz – dass aller Ruhm Cäsars und Alexanders nicht die That des einfachen Weibes aufwiegt, das aus ihrem eignen Leben, still und heilig, Leben säugt.
Zehnter Brief.
Herbert Gröndahl an Achim von Wustrow.
Wir sprechen jetzt sehr vernünftig über ihre Ehe.
Dass man heiraten muss, das ist selbstverständlich, das ist der Ruheposten, die Versorgung. Sie denkt darüber gar nicht weiter nach. Eine alte Jungfer bleibt man nur, wenn man hässlich ist, oder Keinen gekriegt hat, oder überspannt ist. Sie missbilligt das. Sie ist stolz darauf, dass sie so bald Einen gekriegt hat, dass er reich ist, dass ihre Freundinnen sie beneiden werden.
Der Ärger der Freundinnen spielt eine grosse Rolle dabei – je intimer, desto intensiver der Ärger. Das ist diesem Geschlecht [pg 83]das Äquivalent für das, was wir Ehre, Ruhm etc. nennen. Keine Bewunderung! Sie kennen sie gar nicht, wollen sie nicht. Die Leistungen ihrer Geschlechtsgenossinnen in Kunst, Berufen u. s. w. lassen sie total unberührt, vielleicht nur insofern nicht, als sie ihnen das wirklich Beneidenswerte eintragen: Geld, Toiletten, Männer.