»Rennt, Pfarrer! Das Blut schießt ihm heraus wie gestern der abgestochenen Sau.«

Der Herr Nonatus war ein seeleneifriger Mann. Er sagte: »Ich geh gleich mit. Der größte Sünder ist mir am allerliebsten, und der Dullhäubel zahlt sich aus. Meßner, läut das Speisglöckel!«

Die Reigel weckte den Bader.

Der bärbeißige Wundarzt Gottfried Mehlstäubl nahm gleich eine Flasche Blutegel mit.

»Was ist denn los mit dem Dullhäubel?« fragte er. »Hat er wieder einen Kapuzinerrausch heimgebracht? Hat er sich die Wampe überfressen? Ist ihm der Darm auseinander gesprungen?«

»Blutkrank ist er,« weinte die Reigel. »Einen ganzen Zuber voll Blut hat er gespieben. Jetzt lechzt er.«

»Heul nit, Dirndel, ich helf ihm. Ich hab schon andern Leuten geholfen. Unserm Burgermeister hab ich den Bandwurm abgetrieben, fünfzig Ellen lang.« –

Derweilen lag der Dullhäubel blutig im Stroh. Er hörte in der Ferne das Glöckel, dessen Geläut den Weg des Pfarrers begleitete. Er betete: »Heiliger Blaumantel, liebreicher Fürbitter im Himmel, steh zu mir! Wenn ich wieder gesund bin, stift ich dir eine Kerze, so lang wie eine Deichsel, vor deiner Kapelle soll sie brennen Sommer und Winter, Tag und Nacht.«

Der Grazian, der wegen seines Alters als Meßner abgedankt worden war, fand sich ein, und nicht ungern sah er die letzte Stunde des Schelmen nahe. Denn die verweste Geiß stank ihm noch immer aus dem Magen, und er hatte den Streich nie verwinden können.

»Schau, schau, Dullhäubel,« sagte er, »gestern hast du noch heimgejodelt von der Siebenkittelwirtin, und heut gehst du auf dem letzten Gras. ›Gestern im Trab, heut ins Grab‹, heißt es. Du schaust aus wie der linke Schächer.«