»Eine junge Dirn ist da gewesen und hat nach deinem Hof gefragt. Sie will in den Erdspiegel schauen.«
Hastig nahm der Dullhäubel den Weg unter die Füße.
Es war zum erstenmal, daß ihn jemand um den Erdspiegel anging. Die Leute waren schon zu klug. Zu des Ähnels Zeiten trug der Spiegel viel mehr ein als der Opferstock in der Kirche, die Bittsteller kamen aus aller Weite; wer ihnen das Roß gestohlen oder den Stall verhext, wollten sie wissen und wollten allerhand Heimliches ausfindig machen. Das war vorbei.
Der Bauer sann nach, wie er den Erdspiegel wieder in Schwang und Ruf bringen könne. Heute schien sich eine gute Gelegenheit zu bieten. Er nahm sich vor, die Dirne erst um ihr Anliegen zu fragen, dann wollte er sich in den Keller sperren, als ob er Hokuspokus triebe, und dort würde ihm schon die rechte Antwort einfallen.
In seinem Hof droschen die drei immer noch, und die kleinen Dirnlein spielten vor der Scheuer, eines kitzelte die andern auf die nackten Sohlen und rief: »Wer schmunzt, wer lacht, wer die Zähn für reckt, der gibt ein Pfand.«
Als der Dullhäubel die Stube leer fand, schwante ihm Schlimmes, und er lief in den Keller.
Die Tür zum Erdspiegel war aufgerissen.
Ins Halbdämmer des Raumes brach durch ein Guckloch ein Strahl und traf den runden Spiegel, der auf einem Felsblock lag. Eine junge Dirne beugte sich drüber und rätselte an den Zeichen, die auf das Wunderglas gemalt waren: eines glich der Ziffer vier, ein anderes führte drei Zinken wie eine Mistgabel, das dritte trug einen Ring mit zwei Hörnlein.
Der Bauer erkannte im Halblicht die Fremde nicht. »Was sprengst du mir die Tür?« schalt er. »Bist du eine Räuberin?«
»In meiner Verzagtheit hab ich es getan,« antwortete sie. »Verzeih mir, Spiegelmann!«