Der Dullhäubel wurde durch die Schläge nicht gebessert. Am selben Abend noch tat er dem Grazian Schande und Spott an.
Er spielte mit einem fremden Sautreiber im Wirtshaus bis spät in die Nacht Karten. Der Meßner trank ihnen eifrig zu, denn der Sautreiber zahlte ihm die Zeche, aber auf einmal lag er mit der Stirn auf dem Tisch und schlief. Da löschte der Dullhäubel die Lampe, versperrte die Fensterladen und tat mit seinem Spießgesellen in der stichdunkeln Stube, als spielten sie weiter. Als die zwei immer wilder schrieen und immer fester mit der Faust in den Tisch schlugen, erwachte der Grazian. Er hörte sie die Trümpfe ausschreien und Farbe bekennen, und als er nichts sah, stammelte er mit zitternder Stimme: »Leut, ich bin blind. Ich hab mich blind gesoffen.«
Der Dullhäubel ließ ihn eine ganze Stunde in der entsetzlichen Meinung, und am nächsten Tag lachte ganz Fuxloh über den blinden Grazian.
Der Mai blühte aus.
Die Fuxloher hielten am Pfingstmontag abends vor der Kapelle eine Andacht. Der abgedankte Meßner Grazian hatte den Weibern ein neues Lied beigebracht, und sie sangen es, und der Bach sauste darein, der geschwollen war, weil ein Wetter niedergegangen übers Gebirg.
»Der Tag ist vergangen,
der Abend ist hier,
gute Nacht, o Maria,
bleib ewig bei mir!«
Wie das Lied so herzerheblich hinüberflog über die Wiesen zum Wald, daß alle, die da sangen, ihre Freude hatten, watete der Dullhäubel durchs Gras daher, brachte einen Schemel mit und setzte sich abseits den andern darauf. Und als die frommen Stimmen der Weiber sich in die höchsten Höhen erflogen, stimmte er überlaut sein eigenes Lied an.
»Wer will mit mir wallfahrten gehn,
muß tragen ein Paar Schuh,
muß Käs und Brot mitnehmen,
muß aufstehn in der Fruh.«