Die Kinder wollten wissen, warum der Marterer den Spieß im Bauch habe; niemand konnte es ihnen deuten.
Ein Hirt lagerte unter einem nahen Haselnußbaum, der rief: »Der Herrgott hat unserm Heiligen zwei Zungen gegeben, daß er ihn besser loben kann.«
Den Grazian verdroß die Prahlerei arg, und er knurrte: »Unser Blaumantel hat drei Zungen gehabt. Ich bin ein steifgläubiger Mann, aber gegen unsern Heiligen gilt euer Distelbub einen Pfifferling.«
Der Hirt raffte sich neugierig auf. »So seid ihr die Fuxloher, die die Heiligen stehlen? Bei euch sollen ja mehr Spitzbuben als gestutzte Hund sein.«
Das ergrimmte den Hahnenwirt, und er schlug mit dem gekreuzigten Herrgott auf den Spötter los, der aber wehrte sich verbissen mit seinem krummen Stecken. Der Lukas Schellnober tat schließlich die zwei auseinander.
»Dazuland sind die Hirten grob, das ist wahr,« schimpfte der Grazian, als sie schon weit von dem Distelgarten waren. »Kein Wunder, wenn die Muttergottes davon rennt! Setzt dem Teufel eine Säul her!«
Mit hellen Augen sah die Ulla all die fremden Kapellen und Bilder der Heiligen, die auch nach dem Tod nicht ermüdeten, Wunder zu wirken, und sie konnte sich vor lauter Ehrfurcht nicht genug tun, und als vor einem jähen Straßenabsturz eine Säule stand, die Fuhrleute zu erinnern, daß sie hier den eisernen Schuh unter das Rad zwängen sollten, da ließ sich das Weiblein es nicht nehmen, sie kniete hin und betete gläubig hinauf zur Gibachtsäule.
»Heiliger Radschuh, das sollt der Dullhäubel sehen!« lachte der rauhe Schmied.