Verschollene, bemooste Gebete klangen wieder, oft ein Gemisch von Frömmigkeit und Unsinn, in alten halbvergessenen Formeln, den Betern selber unverständlich. Doch sie zerbrachen sich darüber das Hirn nicht und glaubten, Gott werde es sich schon auszudeutschen wissen. Wenn die Wellen der Gebete gar zu hoch schwollen, da reckte der Grazian den Finger auf: »Gebt nit alle Kraft her! Spart sie der Maria auf im Dorn!«

Sie traten aus dem Gebirg heraus in ein freundliches Liebfrauenland voll sanfter Hügel, deren einige grüne Wälderhauben aufhatten; gelbe Felder wogten, Wiesenhalden lachten.

Sie wanderten bald auf breiten, ebenen Straßen, bald gingen sie eines hinter dem andern einen dünnen Steig durch hohes Korn, sie verschwanden drin, und nur die Fahnen ragten drüber hinaus und kündeten von ihrer Wanderung.

Ob des endlosen Getreides verzagten die Kinder, sie fürchteten, das Kornweib greife aus den Halmen und verschleppe sie in die knisternde Wildnis.

Der Mittag flirrte über dem Land, immer glüher ward die Sonne, immer müder die Kreuzschar. Sie spannten die roten und grünen Schirme wider das ungestüme Licht. Staub stieg. Die Kinder trippelten an den Händen der Mütter, greinten und weinten oder begehrten ungeduldig heim. Viele ließen sich tragen.

Der Didelmann seufzte: »Der Ziegel ist noch hübsch warm, aber die Nägel hab ich mir von den Zehen gerannt.«

»Steinmüd bin ich,« klagte der Igel. »Der Sommer haut heuer über die Schnur. Für den Kornschnitt ist es recht.«

»Der Weg wird sauer,« flüsterte der Grazian, »aber nachlassen dürfen wir nit.«

Der Burgermeister lugte auf die Sackuhr und sagte: »Der Weg zieht sich, wir haben noch eine harte Stund vor uns.«

»Hör auf mit deiner Uhr,« neckte ihn der Sulpiz, »sie geht nach dem Fuxloher Mondschein.«