Da jauchzte die Ulla auf und deutete.
Über den Wald stiegen die Turmspitzen der Muttergottes, die in den Dornstauden gefunden worden war, und funkelten mit blanken Knöpfen, und die Bittfahrer jubelten, und der Meßner schwenkte den Gupfhut.
»Die Turmknöpf sind großmächtig,« sagte der Hahnenwirt, »ein jeder faßt einen ganzen Eimer Wein. Und das Uhrgewicht im Turm ist ein versteinerter Laib Brot.«
Aus hohem Kreisfenster lugten die Glöcknerbuben, und schon läutete eine Glocke voll und schwer und himmlisch aus dem Getürm, es war ein Klang, als grüße die Herrgottin selber mit goldener Troststimme das Häuflein, das mit irdisch kläglichem Anliegen zu ihr kam, zur Muttergottes, die alle Gebresten wandelt in eitel Gesundheit, alle Schwäche verkehrt in blanke Kraft, alle Verzagtheit und Angst stillt, zur gewaltigen Frau, aus deren Schoß das Heil in die Welt gedrungen.
Andere Glocken gesellten sich der goldenen Hochfrauenstimme, und ein Glöckel war darunter aus lauterem Silber, vor vielen Jahren hatten es die Fuxloher gestiftet, aus den silbernen Knöpfen der Bauern war es gegossen, und die Burgermeisterin selber hatte eine Schürze voll Laubtaler in die kochende Glockenspeise geschüttet. Nun klang das Glöckel lieb und herzlich, als sänge eine junge Bauerndirne, und als wüßte es, wer jetzt zu Besuch käme.
»Die Fuxloherin läutet,« freuten sich alle, das Wasser zitterte ihnen in den Augen ob der Heimatstimme, die rosenkranzumstrickten Hände hoben sich.
Der Wald tat sich auf: da lag die Gnadenstätte vor ihnen, hoch und mächtig.
Ein Rausch ergriff die Kreuzschar, die Fahnen bauschten sich, die Quasten baumelten.
Der Ulla war, jetzt müßten die Heiligen in der Kirche von den Simsen springen und ihnen entgegengehen, und sie selber trat einher gleich einer Hochzeiterin, das aufgelöste, bekränzte Haar wehte ihr wie ein silberner Schleier, ihre Augen waren heiß und selig aufgetan. Da schauten alle Wallfahrer die Ulla an und wurden von dunkler Ehrfurcht bewegt.