Dann wurden die Fahnen geschwenkt und geneigt, Gesang stieg aus dem Wegstaub, die zarten und die groben Stimmen griffen ineinander.

»Über Berg und über Tal
und mit freudenreichem Schall,
über Wald und grüne Au
reisen wir zur Lieben Frau.«

Immer brünstiger, gläubiger, wilder sangen sie, vergessen war der müde Leib, die Herzen schlugen, die Stirnen brannten, die Kinder taten die Augen wundergroß auf.

Funkelnd trat der Pfarrherr aus dem Tor, die Sonne gleißte in der erhobenen Monstranz. Die Altarbuben schwangen die Schellen.

Alles warf sich vor der Blendnis nieder, schüttete sich hin vor dem Segen, der sie grüßte, jeder schlug an die Brust und wagte vor Unwürdigkeit nicht, seinen Gott zu schauen, der aus der Monstranz glühte.

Die Kirche empfing sie mit feierlicher Kühle.

Die Orgel donnerte. Weiße Säulen, wie Schlangen gewunden, trugen den Hochaltar, und dort, umflattert von blauem Weihrauch, umkränzt mit schimmernden Heiligen, herrschte Maria, die Fürbitterin, die erste Frau im Himmel und auf Erden. Perlenstarrend, in gelben Locken, mit goldnen Ketten behangen, im Arm das Krönleinkind, erwartete sie die Menschen. Ihres blauen Sternenkleides Falten flossen hin wie ein geackertes Feld. Engel hielten eine Krone über sie. Große, gewundene Wachskerzen flackerten, und hoch droben glitzerte das gestirnte Gewölb tausendmal schöner als der Himmel der Nacht.

Gestalten in verzückten Gebärden leuchteten an der Wand, ganze Kitten himmlischen Geflügels gaukelten wie Falter im Himmelsgarten. Kanzel, Altar, Rahmen, Leuchter, Lampen, alles funkelte, wie es sich für das Schloß der Königin ziemt, die die höllische Schlange überwunden und unter ihre Ferse gebracht hat. Rings lehnten Krücken und Stecken, die die Geheilten abgelegt hatten, die vormals so erbärmlich lahm gewesen, daß sie hatten weder kriechen noch gehen können. Eine wächserne Zunge hing dort, von einer Frau gestiftet, der die Zunge ans Zahnfleisch gewachsen war und sich hernach gelöst hatte. Auf Tafeln und Widmungen war geschrieben und gemalt, wie die göttliche Dornstaudnerin den Stummen die Rede geschenkt und den Rasenden die Vernunft, wie dem Blinden der Schein, dem Tauben das Ohr offen wurde, wie Geschwulst und Rotlauf vergingen, Wunden sich schlossen, Menschen wunderbar errettet wurden aus wilder Gefahr.

Die Fuxloher bestaunten alles, nickten der Göttlichen zu und warfen ihr kupfernes Geld in den Opferstock.