Die Kerzen knisterten am Altar, die Ulla starrte darein und staunte: »Reiche Welt!« Sie sah die Perlen glühen an der Gnadenfrau, Perlen größer als die Haselnüsse am Vogeltänd, hellblaue, pechschwarze, veilchenfarbne Perlen. Alles gloste von Gold und Silber und wunderschönem Glas.
Doch der flimmernde Muttergottestand ängstigte die Alte, sie wagte kaum den hochlobpreislichen Namen zu wispeln, und hätte doch gar zu gern ihren weißen Kopf gelegt in Marias Schoß. Die droben am Altar war ihr zu stolz und zu reich. »Sie wird die armen Leut nit kennen wollen,« seufzte die Ulla.
Jetzt reckte der Grazian den Hals und flüsterte eindringlich: »Leut, es ist an der Zeit, vergeßt nit, warum wir den weiten Weg gangen sind! Sagt es fein der Dornstaudnerin, warum wir heut ihren Freund, den Blaumantel, nit mittragen!«
Da murrte die Schar ein dumpfes, hartes Gebet wider den Erzschelmen und Landschaden Kasper Dullhäubel.
Die Ulla aber stahl sich mit bekümmertem Blick hinaus aus dem Glanz und irrte traurig und verlassen um die Kirche.
Da fand sie eine Kapelle, drin raunte und sprudelte es traulich, und über dem rinnenden Brunnen war die Gottesmutter auf ein Brett gemalt, die lächelte lieb und grüßte mit den schlichten Augen das Weib; auf dem Schoß zappelte ihr das Kind, es tappte gerad nach einem Gimpel, und der Vogel drehte den Kopf und biß den Buben in den Finger.
»Ei, da ist fröhlich hausen,« dachte die Ulla und kniete mit müden Knieen auf die Betstaffel hin vor das Bild und schaute sehnlich empor. Sie, die heimatlos war wie ein Fläumlein in den Lüften, das nicht fallen kann und nimmer steigen, hier fühlte sie sich daheim.
Sie ließ den bunten Weinfalter frei, den sie gefangen hatte. »Marienkind,« schmeichelte sie scheu zu dem jungen Herrgott hinauf, »dir bring ich ein schönes, ein wunderschönes Sommervöglein.«