Der Kasper kümmerte sich nicht um das Vieh, sondern kitzelte die Grillen aus ihren Nestern, und hernach fing er ein paar Bienen, sperrte sie in ein Schachtel, und die war der Stall, dort sollten sie Honig melken. Dann grub er ein tiefes Hummelnest aus. Eine Hummel entkam ihm und irrte herum wie ein fliegendes Baßgeiglein, eine andere aber ertappte er und steckte sie zu den Bienen, denen sollte sie der Weisel sein. Auch die Hummelzellen gab er ihnen in den Stall, sie sollten sich ihrer als Schüsseln und Bratscherben bedienen.
Bald war sein unruhiger Sinn des stillen Spieles überdrüssig, und er schlich sich zu zwei weidenden Kühen hin und knüpfte ihnen die Schwänze zusammen, und als er hernach böse zu summen anhob wie eine Blutfliege, wurden die zwei Tiere vor Angst irr, sie wollten fliehen und konnten nicht, sie versuchten sich zu scheiden, und es gelang nicht, das eine zerrte hin, das andere zog her, sie sprangen immer närrischer.
Der Kasper ergötzte sich daran, und daß seine Lust noch höher steige, stahl er dem Hirten das Horn und stieß mit aller Wut seines Atems darein.
Der Brunnkressenhannes taumelte auf. Er sah, wie die Kühe mit verknüpften Schwänzen, die eine rechts, die andere links, einen jungen Ahorn schier umrissen. Verzweifelt griff er sich ins Haar, das so karg stand wie der armen Leute Hafer.
»Herrgott von Blaustauden, laß nur die Schwänze nit reißen!« Mit diesem und noch manch anderem Stoßgebet rannte er den Kühen zu Hilfe.
Da tauchte der Meßner Grazian aus einer Staude, ein spitzköpfiger, einseitiger Mann; die eine Achsel stand ihm höher als die andere. Er deutete mit krummem Finger auf den Kasper. »Das ist ein liederlicher Bursche. Der wird es zu nix bringen.«
Der Bub blies mißtönig auf dem Stengel einer Ringelblume und schaute, kalt bis ins mittelste Herz, zu, wie der Hannes die ungeduldigen Kühe auseinander tat.
»Dem liederlichen Burschen wird es einmal schlecht gehen,« weissagte der Meßner Grazian, »der wird noch einmal Mäus und Grillen fressen.«
Indes hatte der Hirt sein umständliches Amt vollbracht und fiel nun mit einem heimtückischen Sprung über den Kasper her, lieh sich dessen Ohrwäschlein aus, tappte ihm nach dem Schopf und riß ihm eine dicken Schübel Haare aus. Dabei keuchte er: »Dank hab die Rut, sie macht das Knäblein gut!« und der Kasper sollte den Spruch wiederholen. Der aber stampfte und strodelte unter den Krallen seines Meisters und krähte wie ein junger Rabe, der aus dem Nest gefallen ist.
Der Grazian hingegen predigte aus der Staude heraus: »Der liederliche Bursche rennt dem Galgen zu, er kann ihn nimmer erwarten. Hau zu, Hannes! Hau so viel Ruten an ihm ab, als auf einem Joch wachsen!« –