Damals endete das kurze Schulmeistertum des Brunnkreßners.

Der Isidor Dullhäubel nahm seinen Buben her. »Kasper, du wirst ein großer Bauer wie ich. Du wirst einmal Vieh und Felder und Holz haben. Holz macht die Erde stolz, und du kannst einmal stolz den Kopf heben, und die andern Fuxloher Bauern werden nur Notleider gegen dich sein. Lernen sollst du nit viel, es ist nit gesund. Wer viel weiß, wird nit feist.«

»Zum Hannes geh ich nimmer,« trotzte der Bub.

»Du brauchst auch nit, Bub. Die richtige Meinung über die Welt bring ich dir bei, und lesen und schreiben lernst du von der Altbäurin.«

Es war die lustigste Lehrzeit, die der Kasper bei seinem Vater verlebte. Weil der Bauer glaubte, das Gedächtnis sei die wichtigste Arbeit des Gehirns, so mußte der Bub die scheckigsten Lügenmärlein auswendig lernen, davon die Geschichte vom brennenden Wasser, das mit Feuer gelöscht worden ist, und von der papierenen Kapelle, drin der hölzerne Pfarrer eine haselne Messe liest, noch am glaubwürdigsten war. Hernach brachte der Dullhäubel seinem Schüler, der lebhaft wie ein Hirschlein darein sah, manchen Spottreim und manchen spitzigen Stichelschwank bei und erzählte ihm die Streiche, derer die Dörfer diesseits und jenseits des Gebirges bezichtigt wurden, und bald wußte der Kasper jedem Ort ein Narrenglöckel anzuhängen, und er spottete über die Bärnloher, denen einmal ein Ochs auf den Kirchturm hinaufgestiegen war, und über die Daxloher, wo die Kühe so bitterlich hungern, daß eine der andern den Schwanz abfrißt. Quackten im Mai die Frösche, so lachte der Kasper: »Die Grillnöder singen!« Und wenn die Blaustaudner Glocken über den Wald herauf klangen, sang er:

»Die Blaustaudner läuten,
sie läuten vor Not,
sie fangen den Bettelmann
und nehmen ihm's Brot.«

Der Bub konnte auch bald so kunstvoll mit der Peitsche schnalzen wie ein alter Fuhrknecht. Er schob die Finger ins Maul und pfiff schrill, daß es den ganzen Wald Vogeltänd durchdrang und die Krähen in den Nestern sich duckten.

Weil er den Großen und den Kleinen seine Sprüche und Stichelnamen anhängte, traute sich schier niemand am Dullhäubelhof vorüber, und der Kasper war von allen gefürchtet wie ein bissiger Enterich. Drum fand er auch zu seinen Spielen keinen Gesellen.

Nur des Mußmüllers Gid, ein stämmiger, vertrotzter Bub, vertrug sich mit ihm, und die zwei bauten Wasserräder in den Wolfsbach, durchstöberten die Felder nach gesprenkelten Rebhuhneiern und die Wipfel nach Nestern, fingen Schnerrer und Kranwitvögel, brieten und fraßen sie, fischten und krebsten, schopften und prügelten sich weidlich und söhnten sich wieder aus.