Die Nachbarsbuben waren bald nimmer zu trennen. Und kam einmal der Gid nicht früh genug aus dem Haus, so stellte sich der Kasper vor des Müllers Tür und lockte mit seiner feinsten Kehle durchs Schlüsselloch hinein: »Müllnerin, wenn du den alten Mostbirnbaum magst, mein Vater laßt dir ihn ausgraben. Ist der Gid nit daheim?«

Er tat so fein und so schmeichelnd, weil die Mühle der einzige Ort auf der Welt war, der ihm unheimlich schien. Denn der Müller Gori drohte oft den unbändigen Buben: »Ich laß den Wassermann los, er liegt in der Kuchel im Ofenloch an der Kette.« Und sprang gar der schwarze Hund Zikan, den einmal böhmische Komödianten zurückgelassen hatten, hinter dem Ofen hervor und fletschte den Kasper an, da verzog er sich schnell und blieb eine kleine Weile artig.

Aber das Blut der Buben verlangte allmählich nach verwegeneren Dingen, und die vererbte Rauflust regte sich. So zogen sie oft an die Gemarkung des Dorfes und forderten schreiend die Widersacher heraus.

»Salz in der Butten,
Mehl in der Gruben,
die Grillnöder sind
Hagbutzelbuben.«

Die Grillnöder Buben litten den Schimpf nicht, und sie trauten sich über die Schmäher, und so kam es zu zerkratzten Gesichtern, verbeulten Schädeln und blutigen Häuten, wobei aber der Kasper meist gesund davonging, denn er hielt sich zur rechten Zeit zurück und überließ den Hauptanteil an dem Streit dem Gid.

Der Müllerbub war auch weitaus stärker als Kasper. Nur im Gedächtnis fehlte es ihm.

Einmal schickte der Mußmüller seinen Gid zum Schuster, und dort richtete der Bub den Auftrag ganz verkehrt aus. »Gelobt sei Jesus Christus, Schuster,« sagte er, »da schickt dir der Schuh ein paar Müllner, er laßt dich gar schön doppeln, daß du ihn bitten tätst, und daß du ihm morgen die Schuh machst, er will sie heut noch anlegen.«

Als der Kasper das erfuhr, kannte er die verdrehte Rede gleich auswendig, und er schonte den eigenen Freund nicht und sagte sie ihm allweil wieder ins Gesicht, so daß oft bitterer Unfriede wurde zwischen den Buben und zwischen den Vätern, denn keiner, der Dullhäubel nicht und der Mußmüller nicht, ließ etwas über seinen Sprößling kommen.

Bald traute sich der Kasper mit seinen Schwänken an die großen Leute.

So saß einmal der Schmied mit seinem Gesellen beim Mittag, die Suppe rauchte, und das Weib schnittelte Brot in den Topf. Da sprang der Kasper in die Stube und schrie: »Schmied, helft, helft, euer Brunn brennt!« Hurtig rannten Meister und Meisterin und Gesell hinaus zum Brunnen, und als die Genarrten zurück kamen und alle Sakermenter schalten, stand ein Ochs in der Stube, der hatte die Suppe ausgesoffen und leckte sich noch die Nasenlöcher. »Den Hammer her!« brüllte der Schmied. Er hätte das Bürschlein mit den Ohren vor seine Werkstatt genagelt, wenn es nicht gar so entsetzlich um Erbarmen gebettelt hätte.