Der Kasper lernte dazumal, daß die Leute alles und auch das Unglaublichste glauben, man braucht es ihnen nur zu sagen.
Derlei Unfug trieb er noch viel. Der Bauer litt es und nahm lachend den Missetäter in Schutz. Ein einziges Mal nur vergriff er sich an ihm.
Die Grillnöder Buben brachten dem Kasper einen seltsamen Schimpf auf. »Erdspiegelbub! Erdspiegelbub!« kreischten sie und zeigten auf ihn. Er konnte sich nicht wehren, weil er nicht wußte, was das Wort bedeutete.
Der Brunnkressenhannes sagte ihm hernach, daß im Dullhäubelhof in einem schauerlichen Loch neben dem Krautkeller der Spiegel aufbewahrt sei, drin alles offenbar werde, und in dessen Glas jeder Dieb und Räubersknecht sich zeigen müsse, wenn es der Bauer verlange.
Er erzählte: »Vor alter Zeit ist mein Ähnel einmal durchs Gehölz gefahren. Plötzlich geht der Wagen nimmer vom Fleck. Die Ochsen legen sich ins Joch, daß sie züngeln und der Schweiß ihnen rinnt wie ein Bach, der Ähnel haut mit dem Geißelstecken auf das arme Vieh los, umsonst, der Wagen steht wie angefroren. Da nimmt er vor lauter Zorn die Axt und haut sie ins Hinterrad. Gleich rollt der Wagen wieder fort, als ob nix gewesen wär. Wie der Ähnel hernach zum Dullhäubelhof kommt, hört er es drin ächzen. Er schaut nach. Da liegt der Servaz Dullhäubel blutig im Keller bei dem Erdspiegel und sein Fuß abgehackt neben ihm. Der Servaz hat in dem Glas meinen Ähnel fahren sehen, hat ihm einen Possen tun wollen und den Fuß aufs hintere Rad in den Spiegel gestellt. Und wie mein Vorfahr dreingehaut hat, hat er dem Servaz den Fuß abgehackt. Er soll hernach krumm gegangen sein, der Servaz.«
Der Kasper schlich sich am selben Tag noch in den Keller. Aber die Tür zum Erdspiegel war vernagelt, und als er sie aufsprengen wollte, ertappte der Bauer den neugierigen Buben und legte ihn übers Knie.
Das war das erste und letzte Mal, daß der Kasper des Vaters Faust spürte.
Als die Sodonia den Enkel in solchen Ränken und Schwänken aufwachsen sah, kränkte sie sich arg. Sie machte sich wunderliche Gedanken über ihn und fürchtete sogar eine Zeitlang, der Kasper sei ein Wechselbalg und in der Wiege vertauscht worden, und darum habe er auch einen gar so großen Kopf und ein so boshaftes Gemüt, und sie bereute, daß sie ihm nicht gleich nach der Geburt Märzhasenaugen um den Hals gehängt hatte, den höllischen Tausch zu hindern.
Nun wollte sie seinem Übermut stauen, indem sie ihm die ewigen Leiden vorhielt. Sie blätterte mit ihm durch des Kapuziners Cochem »Goldenen Himmelsschlüssel« und wies ihm drin die Bilder, wie die Sünder am Bratspieß des Teufels gespickt wurden und ihnen der Leibhafte mit feuriger Axt das Fleisch vom Bein metzgerte und das Glied aus dem Gelenk riß, wie Nattern mit giftigen Zungen die Verdammten mitten ins Herz stachen und schleimige Kröten ihnen ins Maul krochen, und wie ein derart gepeinigter Mensch sich nicht helfen und nicht wehren konnte, zumal da er durch den Bauch an den Erdboden genagelt war.