In des Vaters Cochem Höllenspiegel gilbten dürre, duftende Nußblätter. Die Sodonia ließ den Buben oft daran riechen und sagte dazu traurig: »Die Blätter wachsen nit in Fuxloh, sie wachsen in einem Land, wo die Leut milder sind.« Die Alte hatte aus einem fernen Dorf aus dem Vorland des Gebirges herauf geheiratet.

Obschon der Kasper sich in der Nacht abergläubisch fürchtete, am lichten Tag schreckte ihn der Ahnin Warnung nicht, daß auch er einmal in den Höllenkessel hinabquirlen und drunten brennen und braten müsse. Er wurde im Gegenteil immer begieriger, die marterlichsten und verwickeltsten Peinen des Satans kennen zu lernen, als wolle er diesem einstmals als gelernter Gesell behilflich sein. Das merkte die Sodonia mit blutendem Herzen, und sie hakte bald den Höllenspiegel zu und malte den Teufel nimmer an die Mauer.

Der Kasper schlief in ihrer Kammer, und wenn er nachts aufkam, sagte sie mit ihm das Einmaleins auf, um ihn von bösen Gedanken abzuhalten, und lehrte ihn kopfrechnen. Auch die Schrift brachte sie ihm bei, und beim Lesen zeigte er sich recht anstellig, dabei aber geschah der große Fehler, daß das abgegriffene Buch, darin er lesen lernte, »Die lustigen Streiche des Till Eulenspiegel« hieß.

Die einzige Hoffnung der Sodonia war, daß der mißratene Mensch sich schon geraderecken werde, wenn er einmal die Lehren des Glaubens aus berufenem Mund hören werde.

Und es kam die Zeit, da versammelte der Pfarrer Sebastian Knaupler die Fuxloher Kinder vor der Kapelle des Blaumantels, um sie für die erste Beicht würdig vorzubereiten. Er lehrte sie die himmelschreienden und die lässigen Sünden hersagen, erzählte ihnen die biblischen Geschichten und münzte, was er da an geistlichen Dingen vorbrachte, in fröhlichen und handgreiflichen Augenschein um.

Also hob er, als er von der Sündflut erzählte, die Kutte immer höher und höher, damit das steigende Wasser recht anschaulich den Kindern ans Herz schwölle, kletterte schließlich, von den Buben gehoben, auf die Kapelle, das wachsende Meer zu verdeutschen, und rang droben die Hände. Dem Häuflein drunten ward angst, mit weiten Augen schauten sie zu dem geistlichen Herrn auf und in ihren Hirnen dämmerte der Umfang des Strafgerichtes.

Da riß ein Lärm die kleine Gemeinde aus den Schauernder Sündflut in das alltägliche Fuxloh zurück.

Der Brunnkressenhannes, der dem Pfarrer Sebastian Knaupler das schulmeisterliche Amt neidete, sah von der Viehweide nieder, tutete und näselte:

»Auf der Wies und auch am Klee
ich so lange umher geh,
bis sich laßt ein Brünnlein finden,
daß mein Vieh daraus kann trinken,
allda setz ich mich in Ruh,
nehm die Schwegel, pfeif dazu.«

Wie neugierige Gänse reckten die Kinder die Hälse und lauschten dem Störer. Der Pfarrer drohte: »Da alter Grillenkitzler, jetzt halt schon einmal das Maul!«