»Wenn ich einen Schutzengel hätt, so hätt er mir helfen raufen, wie mich der Schmied in der Beiz gehabt hat.«

Da fiel der Pfarrer über den Buben her und rüttelte ihn beim Kragen. »Du frevelhafter Teufel, wirst du gleich an deinen Schutzengel glauben!« –

In der Woche vor dem Freudensonntag beichtete der Kasper zum erstenmal. Der Pfarrer spitzte seine Ohren scharf, und der Sünderling wispelte hurtig hinein: »Bei der Mußmühl weiß ich ein Nest, sind fünf Eierlein drin, fliegt allweil eine Bachstelze hin. Dir sag ich es. Daß du es aber niemanden sagst, Pfarrer!«

Der Herr Sebastian Knaupler zog das Schneuztuch heraus und schneuzte sich lange. Dann schlug er ein ellenlanges Kreuz in die Luft und segnete. »Geh hin, o Mensch, deine Sünden sind dir vergeben!«


Der Kasper ging hin und wuchs sich gemächlich zu einem stämmigen Burschen aus, stark und gelenkig. Sein Kopf war noch größer geworden, nur die Augen blieben winzig und die Stimme hoch und dünn und kichernd, wie er sie als Kind gehabt hatte.

Er plagte sich nicht, mit seiner Arbeit hätte er sich kaum das tägliche Brot verdient. Viel lieber schlüffelte er im Dorf umher und lauschte überall hin mit offenem Maul und verschlagenem, flinkem Blick. Hemdärmlig stand er auf der Kegelstatt und wog und warf die Scheibkugel, daß es donnerte.

Die Sodonia verwarnte ihn oft und rieb ihm vor, wie Müßiggang bösen Ausgang nehme, besonders bei einer Bauernwirtschaft, er aber pfiff sich ein Lied lustiger als das andere, rückte sich den Hut schief und sang:

»Und ein bissel bin ich bucklet,
und ein bissel bin ich krump,
und ein bissel bin ich tilltapp,
und ein bissel bin ich Lump.«