Weil er in der Rede gut beschlagen war und keinem die rechte Antwort schuldig blieb, und weil er schier aus lauter schönen Spitzbübereien zusammengesetzt war, wählten ihn die Burschen, die im Fasching vermummt durch die Dörfer reisten, zu ihrem Hanswurst, und in diesem Amt trug er einen strohenen Dreschflegel, einen Spitzhut und ein Kleid, aus hundert bunten Flecken närrisch zusammengewürfelt wie seine Seele.
Der Müllergid ging als der Hauptmann voran, ein gefranstes Handtuch als Schärpe vor der Brust, auf der Achsel einen Spieß, der sich unter dem Speck bog, den sein tolles Gesindel aus den Rauchfängen der lachenden Bauern heimste.
Und der Kasper stürzte jäh ins Knie, hob die Hände auf und schrie kläglich: »Ihr lieben Daxloher, ich bitt euch um Gottes willen, gebt her ein Pfund Teufelsspeck! Leugnet es nit, vor Dreikönig habt ihr den Teufel abgestochen und in den Rauch gehängt. Und ich bitt euch gar schön um eine kuhwarme Blutwurst, so lang muß sie sein, daß sie sich neunmal um den Blaustaudner Turm wickeln laßt und dreimal um eure Bürgermeisterin.«
Dann sprang er wie ein Heuschreck auf und schlug sich mit dem Strohflegel eine Gasse durch die Gaffer, und während seine Gesellen am Dorfanger tanzten und der Pritschenmeister einen der Zuschauer auf die Bank legen ließ und ihm fünfundzwanzig auf die Hinterlandschaft maß, durchstöberte der Kasper die Speckkammern und Ofenröhren der unbewachten Gehöfte, und kam dann üppig beladen zurück zu seiner Bande und jauchzte: »Die ganze Welt ist ein Fasching, juchu!«
In Blaustauden trieb der Kasper einen verreckten Geißbock auf. Sein Gesindel grub hinterm Dorf ein Loch und senkte den Bock hinunter. Der Kasper hielt die Grabrede: »Unser lieber, guter Herr Burgermeister ist tot.« Und einer kniete neben ihm, als Wittib verkleidet und jammerte, daß es einem das Herz zerspaltete und den Weibern rings das Wasser aus den Augen sprang. »Ein guter Hausvater ist dahin,« hub der Kasper wieder an, »ein braver Ehemann. Ihr Jungfern von Blaustauden, ich wünsch euch allen einen so eifrigen Mann.«
Der Meßner Grazian aber, der unter den Leuten stand, begehrte auf. »Ich laß den Blaustaudner Jungfern ihre Ehre nit angreifen,« schrie er und drängte sich scharf zu dem Redner hin.
Gleich wurden die Köpfe rot, ein Knäuel ballte sich zusammen, Fäuste reckten sich, und der Meßner lag auf einmal in der Grube auf dem Geißbock.
Es wäre zu blutigen Schlägen gekommen, wenn nicht der neue Pfarrer Nonatus Hurneyßl eingegriffen hätte, ein aufrichtiger und entschlossener Mann. Mit dem Regenschirm jagte er die Leute auseinander, verfolgte damit den Kasper, der sich mit dem Strohflegel nur schwach wehren konnte, zum Ort hinaus und half schließlich mit dem nämlichen Schirm seinem Meßner aus der Grube.
In der Nacht vor dem Fastensonntag trommelte es dem Grazian ans Fenster. Der Grazian, in der Meinung, es gelte, einen Kranken zu versehen, tat den Laden auf, und blitzschnell wurde etwas Gehörntes, Fürchterliches, an eine Stange Gebundenes in die Stube gestoßen, und das roch abscheulich.
»Der Teufel ist es, er stinkt nach Schwefel!« schrie die Meßnerin und fiel aus einer Schwäche in die andere.