Der Gid staunte die starke fremde Dirne an, dann meinte er spöttisch: »Hoho, da kommt eine daher gelaufen und will mir was schaffen.«

Sie antwortete stolz: »Ich reit nit auf der Geiß daher. Ich weiß, wer ich bin und was ich hab, und ich weiß, wem ich angehör.«

Der junge Müller lachte. »Du kannst die Kaiserin selber sein, mir hast du nix zu sagen. In der Mußmühl bin allweil ich der Herr.«

Da fühlte die Ogath einen brennenden Stich im Herzen und merkte, daß sie von dem bösen Nachtbuben zwiefach betrogen worden war. Aber sie ließ die Zähren, die ihr die Augen schwimmen machten, nicht übers Ufer treten, und weil sie sich einmal die Mühle in den Kopf gesetzt hatte und ihr der staubige, finsteräugige Bursch auf dem Mühlstein besser gefiel als der fuchsbärtige Freier, und weil sie es daheim in der Einöd nimmer freute, so wollte sie versuchen, ob sie da in dem brausenden Haus ihr Bleiben könnte haben.

Und das Blut schlug ihr auf einmal so hart in der Ader, als sie sagte: »Wenn du der Müllner bist, so frag ich dich, ob dein Weib keine Dirn braucht?«

»Ich bin ledig,« antwortete er, »aber die Mutter hätt eine Hilf not, sie ist nit gesund.«

Sie trat näher. »So ding mich auf. Stark bin ich. Da greif mir den Arm an. Deine Mehlsäck heb ich leicht.« Und jäh umschlang sie den jungen Müller bei den Knieen, und ehe er sich ihrer erwehren konnte, hob sie ihn in die Höhe.

Als er verwirrt und schier taumelnd wieder Boden faßte, stammelte er: »Du hebst einen Mühlstein. Du hast Kraft wie ein stürzendes Wasser. Du bist zu brauchen.«

Er dingte sie auf, und sie half ihm in der Mühle, rannte die bestäubten Stiegen auf und ab, goß das Korn in den Trichter und warf sich spielend die Mehlsäcke über die Schulter, als wären sie mit Federn gefüllt. Sie lernte die Schleusen öffnen und die Mühlsteine schärfen mit dem Kieshammer und die Pfannen der Räder schmieren und besorgte das Vieh im Stall und den Mittag am Tisch und die gichtische Müllerin im Bett. So gewann sie bald das Herz der Alten, und die schwarzen Augen des Gid flogen ihren schnellen und kräftigen Bewegungen allzeit nach.