»Du irrst dich, Vater,« sprach der Gid. »Es rauscht und saust nur der Bach so seltsam.«
»Ich hör ihn schon seit drei Samstagen,« beharrte der Alte.
Die Angst schüttelte die Bettlägrige wie ein Frost. »Hast du ihm am letzten Nikolaitag was zu essen in die Radstube hinunter geschüttet?«
»Das hab ich besorgt, Weib. Und einen Filzhut hab ich ihm auch hinunter geworfen, daß er sich ihn auf das grüne Haar setzt und uns den Frieden laßt fürs ganze Jahr. Und jetzt ist er trotzdem da.«
»Wie schaut er denn aus?« lächelte die Ogath.
»Zwischen den Fingern hat er Häute wie ein Fischotter, und im Wasser wird er nit naß. Im Wasser ist er stark wie neun Rösser, man kann ihn nit überwinden; am Land ist er nit kräftiger als neun Fliegen. Wie der Ähnel noch auf der Mühl gewesen ist, hat der Wassermann häufig in der Nacht geklagt wie eine Seel, die die Seligkeit nit findet.«
»Ich leid ihn nit im Haus,« grollte der Gid, »ich richt ihm die Otterfalle auf.« –
Von jetzt an blieb es in den Samstagnächten immer still unter dem Mühlrad, wie atemlos auch die zwei Müller hinunterlosten.
Doch einmal, als der Gid den Vater aus dem Haus und die Ogath bei der siechen Mutter wußte, da hörte er es durch das Brausen des Mühlrades seltsam planschen und rauschen.
Der junge Mensch lauschte fieberisch.