Die Jahre verwichen.
Der Dullhäubel wirtschaftete mit der Altbäurin und mit Knecht und Magd auf seinem Hof. Die Mutter zählte nicht mit, die schlief stehend und gehend ein.
Er selber mühte sich auch nicht sonderlich, es behagte ihm viel mehr, den Fuxlohern allerhand Possen zu spielen, Land und Leute gen einander zu hetzen, auf den Wirtstisch fest aufzutrumpfen und ein Leben zu führen wie seine Vorfahrer.
Immer mehr wandte sich der Blaumantel hinter seinem Gitter von der Welt ab, immer saurer sah er darein, wenn der Dullhäubel vorübertrollte, und schließlich bildete sich der Bauer ein, der Heilige wisse um all seine Schwänke und verrate sie vor Gottes Stuhl im Himmel. Drum besann er sich viel, wie er den unliebsamen Widersacher wegschaffen könnte.
Einmal, am Simonjudastag, als das Kraut gehobelt und im Faß eingetreten war, schleppte er den Heiligen heimlich in den Keller, und stellte ihn statt eines Steines auf das Krautfaß, um es zu beschweren. »Jetzt bist du beschäftigt, du Müßiggänger,« spottete er.
Doch seit der Hölzerne unterirdisch als Krautheiliger waltete, plagten den Dullhäubel bergschwere Träume und vergällten ihm den Schlaf.
Ihm träumte, dem Blaumantel wüchsen Haar und Bart, und er, der Bauer, müsse ihn scheren und stutzen. Zunächst setzte er ihm einen Topf auf den Schädel, und was darunter an Haar hervorkringelte, schnitt er ab. Es war aber steif wie Eisendraht und kaum zu bewältigen. Hernach striegelte er ihn mit einem Igel, ein Kamm hätte den abscheulich verfilzten Schopf nicht durchrütten können. Er schnitt ihm den Bart vom Kinn und aus den Wangengruben und Nasenlöchern, schob ihm einen Löffel in das Maul, daß sich die Haut daran straffe, seifte und schäumte ihn ein und balbierte die Stoppeln mit einer Dachschindel. Der Bart aber wuchs augenblicklich wieder nach, und so wurde das Balbieren zu einer schrecklichen Mühe ohne Ende. Dabei glotzte der Blaumantel seinen Schaber höllisch an, und der Löffelstiel stand ihm gräßlich aus den grellroten Lefzen. Hundsmüd und zerknirscht fuhr der Dullhäubel aus dem Schlaf, an seinem Hemd war kein trockener Faden.
Noch mehr quälte ein anderer Traum, der allnächtlich wiederkehrte. Der Heilige im Krautkeller wuchs, wuchs durchs Gewölb in die Schlafkammer des entsetzten Dullhäubel, wuchs durch den Boden zum Dach hinaus, daß die Balken sich bogen und die Schindeln flogen und das Haus wankte und schier stürzte. Nur die Kutte wuchs ihm nicht, und der Dullhäubel mußte ihm hinten und vorn Schürzen und Leintücher vorhängen von wegen der Schamhaftigkeit. Droben überm Dach zuckte und flammte der Heiligenschein und drohte, Wald und Korn zu zünden. Da preßte der Bauer einen Schrei aus der Brust, er schrie den Fuxlohern um Hilfe, aber alle Fuxloher Männer vermochten den verwilderten Blaumantel nicht zu überwinden, den sonst zwei zarte Jungfern stundenweit getragen auf der Wallfahrt nach Maria Dorn.
Der Dullhäubel hörte aus diesen Träumen sein zerrissenes Gewissen schreien, und als ihn der Blaumantel einmal wieder wie eine Trud drückte, keuchte er aus dem Bett in den Keller hinab, stürzte den Quälgeist kopfüber in einen Buckelkorb und schleppte ihn zur Kapelle.
Der Mond ging eben ab. Etwas Gespenstisches meckerte im finstern Moor. Ein Hund schrie Mord über ein blaues Irrlicht. Ein griesgrämiger Rabe hüstelte im Schlaf.