Es lag so mutterseligallein, so verhuscht und verborgen vor aller Welt, so recht geeignet, daß ein armes Mutterherz oder eine betrübte Magd oder ein reuiger Sünder oder, wer immer den Herzwurm hat, sich in aller Geheime ausweinen konnte.

Die Ogath trat in das wetterverschlissene Bethäuslein. Das Herz ward ihr sonnenlicht, als sie den Altar sah.

Da saß die Maria, die heilige Kindelbetterin, weiß wie ein Lilienblatt, schlicht und einfältig, und neben ihr beugte sich der Zimmermann mit dem eisgrauen Bart, ein uralter Tattel, über die Krippe, darin ganz nackt und bloß das Himmelskind schlief, und zwei Eheleute schauten furchtsam drein, denn die Könige waren gekommen, den Heiland im kalten Stroh zu grüßen, der Kasper, schwarz wie ein Kohlenbrenner, der Melcher, der Weihrauchkönig, reitend auf dem Kameltier, und der Balthauser, der mit dem silbernen Stern tanzte. Ganz hinten, durch zierliche Heiligenscheine aus ihrer Demut erhöht, knieten das Öchsel und der ägyptische Esel.

Vor dem Altar stand eine große, leere Wiege.

Die Ogath aber redete mit der hohen Gnadenfrau: »Die Mußmüllnerin bin ich, und es ist eine Sünd und eine Schand, wie ich da vor dir steh. Aber deine Augen sind so still, und du schaust mir ins Herz bis auf den Grund. Du siehst nix Schlechtes drin. Und ich bitt dich, trag meinen Wunsch hin, wo man ihn hört. Mit gesegnetem Leib möcht ich gehen wie die anderen Weiber, und so bitter gern tät ich am Anger vor der Mühl Windeln bleichen, tät Hosen flicken für ein schlimmes Büblein, oder wenn es ein Dirnlein sein sollt, wollt ich es gern zöpfeln und es hegen und pflegen, und alles Herzleid tät ich willig tragen, was so ein Kind bringt.«

Weiter fand sie keine Worte.

Sie kniete zur Wiege hin, legte ihren schmerzlichen Wunsch hinein und wiegte still und versunken in den Anblick der heiligen Leute und gläubig, daß das Wunder geschehe an der Frau, die es wagt, nackt zu wallfahren.

Sie wiegte, bis die Sonne tief im Bergwald versunken war und die Kapelle sich mit grauen Schatten füllte.

Im Dämmer ging sie heim, erbangend, wenn das Gras zischte oder der Wind flüsterte, verzagend vor jedem Gebüsch. Denn selten gibt es eine Staude, drin nicht ein Auge ist.