Die Raben kehrten in den Fichten ein zur nächtlichen Rast. Wie stockende Geister leuchteten die weißen Grenzsteine. Droben tat sich der Sternhimmel auf und funkelte durch die Wipfel nieder und silberte Zweig und Laub.
Lichter aber schimmerte der Leib der Wallfahrerin, und die Blendnis ihres Fleisches lockte und schrie durch die Nacht.
»Ich bin wie eine Latern,« klagte sie.
Der Wald ward sanfter, gangbarer der Weg. Durch die Stille hörte sie schon die Mühle. Fern über den Bäumen sah sie hin und wieder das Gebirg in schwarzen Klumpen dunkeln. Sie wanderte und wanderte im Glanz ihres Leibes hin.
Als sie den Steinriß erreichte, wo sie das Gewand versteckt hatte, huschte ein Mann aus den Felsen herfür und griff nach ihr.
Sie schloß die Augen und ließ willenlos alles geschehen.
Es mußte so sein.
Als der Gid erfuhr, wie die Ogath wallfahren gegangen war, prügelte er sie unbarmherzig, daß sie blau und blutig wurde, und das starke, stolze Weib ließ sich schlagen und wehrte sich nicht.
Tags darauf kam der Zusch, ein närrischer Mann, zum Müller und lallte: »Der Dullhäubel schickt mich. Du sollst ihm Haut und Haar von deinem Weib schicken. Du hast gestern geschlagen.«