In der Scheuer übte er seine Rede ein. Vorerst neigte er sich nach allen Seiten, denn er dachte sich den Gerichtshof rund wie einen Kreis und rings lauter Richter und Schergen und sich selber in der Mitte.
»Gnädigster, allerstrengster Herr Gerichtshof!« hub er an. »Indem daß der Herr Ägid Wilfinger, Müllnermeister in Fuxloh, mich, den Herrn Kasper Dullhäubel, ehrengeachteten Bauern daselbst und eheleiblichen Sohn und Nachfolger des Herrn Isidor Dullhäubel, indem daß derselbe denselben und seine Ochsen auf freier Straße angepackt hat und mich hat zwingen wollen, daß ich in seiner Mühl mahl, wo doch schon der Herr Kaiser Josef im Jahr achtundvierzig alle Zwangmühlen verboten hat, und weil ich selbem Müllner nit zu Willen war, hat er mich und meine gottseligen Vorfahrer mit boshaften Wörtern verunehrt und hat insbesonders mir – mit Verlaub zu sagen – geschafft, ich soll ihm auf den Buckel steigen. Nachdem dies geschehen war, hat er mich mit einer Ochsensenne so kläglich genotnötigt, daß ich vierzehn Tag meine Arbeit hab versäumen müssen und Hand und Fuß nit rühren können. So, jetzt hat der Widersacher das Wort.«
Damit ging der Dullhäubel in die Ecke der Scheuer, wo spinnverwebt die Putzmühle stand, und drehte sie fünf Vaterunser lang, daß sie rumpelte und fauchte, und deutete also die Rede an, womit der Gid sich verteidigte.
Als der Bauer an der Putzmühle in einen gelinden, warmen Schweiß geraten war, setzte er ab und sprach wiederum in der eigenen Sache.
»Allerhöchster und ehrbarer Herr Gerichtshof! Indem daß der Ägid Wilfinger sich gar so lügenhaft verteidigt und mit seinen Spitzfünden der Wahrheit unverschämt ins Gesicht schlagt und behauptet, es hätte sich alles umgekehrt zugetragen und ich hätte ihm mit einer Ochsensenne leibgefährlich und schandbar zugesetzt, daß er schleunig in der Mühl habe seine Zuflucht holen müssen: so verschwör ich mich mit dem härtesten Schwur, daß der Müllner jetzt abscheulich gelogen und getrogen hat. Gott soll mich strafen, wie ich da steh, wenn nur ein einziges Wort nit wahr ist!«
Jetzt ließ er wieder die Putzmühle lärmen, und dies bedeutete wieder die Antwort des Gid.
Hernach schloß er die Verhandlung und sagte: »Indem daß der Müllner von seinem halssteifen Leugnen nit ablaßt und in ohrenblaserischer Weis mich, seinen Nachbarn und vormals treuen Freund ins Zuchthaus bringen will, so trag ich alleruntertänigst seine gerechte Bestrafung an. Ich bitt euch, sperrt den Herrn Ägid Wilfinger drei oder vier Jahr bei Wasser und Brot ein, daß mir mein Recht geschieht und er hernach als ein verbesserter Müllner wieder auf die Welt kommt.«
Er verneigte sich nach allen Winden und ging aus der Scheuer, seiner Sache sicher. –
Am Gerichtstag putzte sich der Dullhäubel wie ein Pfingstelreiter heraus: er schirrte sich in die grasgrünen Hosenhalfter und steckte einen Häherspiegel in den blauen Hut, die Silberknöpfe glänzten am Brustfleck, und so trat er getrost aus dem Haus.
Als die Sodonia über ihn ein Kreuz schlug, sagte er: »Heut wird es ein Rausch, ob ich gewinn oder verlier.«