Der Dullhäubel legte die Hand demütig aufs Herz. »Herr Gerichtshof, ich bin halt ein dummer Bauer.«

Er knickte auf den Sessel nieder, der blaue Hut fiel ihm auf den Fußboden. »Holla,« dachte er, »jetzt hab ich mich verrechnet. Aber meine Red muß mich herausreißen.«

Die Stimme des strengen Mannes kam auf einmal ganz unglaublich mild und zart aus dem Goldbart heraus, die starken Augen wurden ihm feucht, er zupfte an seiner Nase.

»Leutlein, euch hat der Herrgott nachbarlich hingesetzt in das schöne, friedliche Tal am Wolfsbach, und ihr steht jetzt in dieser Stube euch gegenüber wie zwei Waldratten, die sonst nichts mehr zu fressen haben als eins das andere. Was verklagt ihr euch wegen ein paar überflüssiger Hiebe und ein paar lustiger Wörter? Besinnt euch, ihr strittigen Männer! Es kann kein gut tun, wenn einer von euch wegen des andern abgestraft wird. Es wächst Haß daraus, und der Haß glost weiter in Kind und Kindeskind und schlägt allweil wieder giftig aus der Asche. Denkt an den Frieden eurer Enkel! Söhnt euch aus! Gebt euch die Hände!«

»Ich will mein Recht,« trotzte der Müller.

»Ich auch,« rief der Dullhäubel.

Das graue Auge des Richters verfinsterte sich, mit langen Schritten ging er von Wand zu Wand.

»Es ist gut,« sagte er. »Und jetzt erzählen Sie mir den Vorfall, Wilfinger!«

Der Gid stellte sich kerzengerad hin wie ein Soldat und begann rauh: »Ich komm aus der Mühl. Der Kasper steht auf der Straße. Ich zeig ihm unsern Freibrief. Wir reden nit lang, da reißt er die Ochsensenne aus dem Wagen. Wenn ich nit renn, erschlagt er mich.«