„Ich würde nichts dagegen haben, Mr. Harris, den Lohn zu erhöhen.“
„Gleichviel, Herr, ich habe nicht nöthig meine Arbeiter auszudingen, wenn ich keine Lust dazu habe.“
„Aber, Herr, er scheint ganz besonders geeignet zu diesem Geschäfte.“ „Mag sein, – er taugte aber nie viel zu irgend einer Sache die ich ihm auftrug, mein Seel'!“
„Denken Sie aber nur an seine Erfindung der Maschine,“ wendete hier einer der Arbeiter unglücklicher Weise ein.
„O ja! – eine Maschine um Arbeit zu sparen, nicht wahr? So etwas wird er schon erfinden, ohne Zweifel! 's müßte ja kein Neger sein. Die sind alle selbst Maschinen, die Arbeit zu sparen, – einer wie der andere! Nein, er soll das Feld treten!“
Georg stand wie angezaubert da, als er so plötzlich sein Urtheil von einer Gewalt ausgesprochen hörte, gegen die kein Widerstand möglich war. Er preßte die Lippen krampfhaft zusammen, und ein ganzer Vulkan bitterer Empfindungen brannte in seinem Busen, und sandte Feuerströme durch seine Adern. Sein Athem ging kurz, seine großen, dunklen Augen glühten wie feurige Kohlen, und es möchte vielleicht ein gefährlicher Ausbruch bei ihm statt gefunden haben, wenn nicht der gutherzige Fabrikbesitzer seinen Arm berührt, und ihm leise zugeflüstert hätte: „Gieb nach, Georg; geh jetzt mit ihm; wir wollen doch sehen, wie wir Dir helfen können.“
Der Tyrann bemerkte das Flüstern, und errieth seine Bedeutung, obgleich er nicht hören konnte, was gesagt wurde, und diese Wahrnehmung bestärkte ihn nur in seinem Vorsatze, die Gewalt, die ihm über sein Opfer zustand, geltend zu machen.
Georg wurde nach Hause geführt und an die niedrigsten Arbeiten der Farmwirthschaft gestellt. Er hatte es über sich vermocht, jedes unehrerbietige Wort zu unterdrücken; aber das funkelnde Auge und die finstere Stirn waren Theile einer natürlichen Sprache, welche sich nicht unterdrücken ließ, – sichere Anzeichen dessen, daß der Mensch nicht zur Sache werden könne.
Es war während jener glücklichen Periode seiner Beschäftigung in der Fabrik, daß Georg sein Weib kennen gelernt und geheirathet hatte. Während jener Zeit hatte er, da der Fabrikherr ihm seine Gunst und sein Vertrauen in besonderem Grade zugewendet hatte, volle Freiheit gehabt, zu gehen und zu kommen, wann und wie er wollte. Die Heirath wurde von Mistreß Shelby besonders begünstigt, die, mit einer Art weiblichen Gefallens an Ehestiftungen, sich gefreut hatte, ihren schönen Schützling mit einem in jeder Beziehung passenden Manne derselben Klasse verbunden zu sehen; und so wurden Beide in dem Wohnzimmer ihrer Herrin verbunden, und diese selbst schmückte das schöne Haar der Braut mit Orangenblüthen, und warf den bräutlichen Schleier darüber, der ohne Zweifel auf keinem schöneren Kopfe geruht haben könnte. Auch fehlte es nicht an weißen Handschuhen und Kuchen und Wein, und an Gästen, die die Schönheit der Braut und die Güte und Freigebigkeit der Herrin priesen.
Ein oder zwei Jahre lang sah Elisa ihren Gatten häufig, und nichts störte ihr Glück, als der Verlust zweier Kinder im ersten Alter, an denen sie mit leidenschaftlicher Liebe hing, und um die sie mit so verzehrendem Kummer trauerte, daß ihre Herrin sich veranlaßt fühlte, ihr sanfte Vorwürfe zu machen, und sich bemühte, ihre von Natur leidenschaftlichen Empfindungen durch den Einfluß der Vernunft und Religion zu mäßigen. Nach der Geburt des kleinen Harry war sie jedoch allmählig ruhiger geworden und jeder blutende, zuckende Nerv schien durch die neue Verbindung mit diesem jungen Leben geheilt worden zu sein, und Elisa war wieder ein glückliches Weib bis zu dem Augenblicke, wo ihr Mann von seinem menschenfreundlichen Principale auf so rohe Weise losgerissen, und unter die eiserne Herrschaft seines rechtmäßigen Besitzers zurückgebracht worden war.