„Ich will entfliehen, Onkel Tom und Tante Chloë, – und mein Kind mit mir nehmen, – Master hat es verkauft!“

„Verkauft?“ riefen Beide einstimmig, ihre Hände vor Schrecken aufhebend.

„Ja verkauft,“ sagte Eliza mit fester Stimme. „Ich kroch diesen Abend in das Kabinet an Mistreß's Thür, und hörte, wie der Herr ihr erzählte, daß er meinen Harry und Euch, Onkel Tom, an einen Händler verkauft habe; und daß er diesen Morgen fort reiten wolle, und daß der Händler heut' Besitz ergreifen wolle.“

Tom hatte während dieser Rede mit aufgehobenen Händen und aufgerissenen Augen wie ein Träumender da gestanden. Langsam und allmählig, wie er die Bedeutung begriff, sank er in seinem alten Stuhl zusammen, und ließ sein Haupt auf das Knie herabfallen.

„Der gute Gott sei uns barmherzig!“ sagte Tante Chloë. „O, es scheint mir, es kann nicht wahr sein! Was hat er denn gethan, daß der Herr ihn verkaufen sollte?“

„Nichts hat er gethan, – es ist nicht deßwegen. Master verkauft ihn nicht gern; und Mistreß, – ach, sie ist immer gut. Ich hörte, wie sie für uns stritt und bat; aber er sagte ihr, daß Alles vergeblich sei, daß er in der Schuld dieses Mannes sei, und daß dieser Mann ihn in seiner Gewalt habe; und daß, wenn er ihn nicht rein ausbezahle, es damit enden müsse, daß das ganze Gut mit allen Leuten verkauft würde, und er fortziehen müsse. Ja, ich hörte ihn deutlich sagen, daß er keine andere Wahl habe, als entweder diese beiden oder Alles zu verkaufen, weil der Mann ihn so hart dränge. Master sagte, es thäte ihm leid; aber o! Missis, – Ihr hättet sie sprechen hören sollen! Wenn sie keine Christin und kein Engel ist, so hat es nie einen gegeben. Ich bin ein schlechtes Weib, daß ich sie so verlasse, aber ich kann nicht anders. Sie sagte selbst, eine Seele sei mehr werth als die Welt, – und dieser Knabe hat eine Seele; und wenn ich ihn fortschleppen lasse, wer kann dann wissen, was daraus wird? Es muß recht sein; – aber wenn es unrecht ist, so mag Gott mir verzeihen, denn ich kann nicht anders!“

„Nun, Alter,“ sagte Tante Chloë, „warum gehst Du nicht auch? Willst Du warten, bis Du den Fluß 'nuntergeschleppt wirst, wo sie Niggers tödten mit schwerer Arbeit und Hungerleiden? Ich wollte viel, viel lieber sterben, als dahin gehen, jemals! S' ist noch Zeit, – mach' fort mit Lizy, – Du hast 'nen Paß zu kommen und zu gehen, alle Zeit. Komm', mach' auf, – ich will Deine Sachen zusammen suchen.“

Tom hob langsam seinen Kopf auf, und blickte kummervoll und gefaßt um sich und sagte:

„Nein, nein, – ich will nicht gehen. Laß' Elisa gehen, – sie hat recht! Ich wollte nicht der Eine sein, zu sagen, nein - 's ist nicht in Natur für sie, zu bleiben; aber Du hast gehört, was sie sagte! Wenn ich verkauft werden muß, oder alles Volk auf dem Gute, und Alles geht zu Grunde, nun – so laßt mich verkauft werden. Denke, kann's tragen so gut wie Einer,“ fügte er hinzu, während ein Seufzer und eine Art Schluchzen seine breite, rauhe Brust convulsivisch erschütterte. – „Master hat mich immer am Platze gefunden, – er soll es immer. Ich habe nie mein Wort gebrochen, – und nie meinen Paß nirgend gegen mein Versprechen gebraucht, und will es nimmer. S' ist besser, daß ich allein gehe, als daß Alles genommen und verkauft wird. Master ist nicht zu tadeln, Chloë, und er wird sorgen für Dich und die armen –“

Hier wandte er sich zu dem breiten Rollbett um, welches voll von kleinen, wolligen Köpfen lag, und brach gänzlich zusammen. Er lehnte über dem Rücken eines Stuhles, und bedeckte sein Gesicht mit seinen großen Händen. Schweres und tiefes Stöhnen machte den Stuhl unter ihm wanken, und große und schwere Thränen fielen durch seine Finger auf den Fußboden; grade solche Thränen, Mann, wie Du über dem Sarge Deines Erstgeborenen weintest; solche Thränen, Weib, wie Deinem Auge entströmten, als Du das Schreien Deines sterbenden Säuglings hörtest. Denn, Herr, er war ein Mann, und Du bist auch nur einer; – und, Weib, wenn gleich mit Seide und Juwelen bedeckt, bist Du doch nur ein Weib, und in des Lebens schweren Stunden fühlt Ihr beide denselben Schmerz!