„O Missis! Lizy's Kommode ist alles offen, und ihre Sachen alles umher, – und ich glaube, sie ist davon!“

Mr. Shelby und seine Frau erkannten in demselben Moment, was geschehen war. Er rief: „Dann hat sie Verdacht geschöpft, und ist fort!“

„Gott sei gedankt!“ sagte Mrs. Shelby. „Ich hoffe es!“

„Weib, Du sprichst wie eine Thörin! Wahrhaftig, das wird eine schöne Verlegenheit für mich geben, wenn sie wirklich fort ist. Haley sah, daß ich zauderte, dieses Kind zu verkaufen, und nun wird er denken, ich habe mit dazu geholfen, es fortzuschaffen. Das berührt meine Ehre!“ Und Mr. Shelby verließ eiligst das Zimmer.

Nun begann etwa eine Viertelstunde lang ein Laufen und Schreien, und Thürenauf- und Zumachen, und Gesichter in allen Farben und Schattirungen wurden an verschiedenen Orten sichtbar. Nur eine Person, die vielleicht etwas Licht über die Sache hätte verbreiten können, sagte kein Wort, und das war die oberste Köchin, Tante Chloë. Schweigend und mit einer finstern Wolke auf ihrem sonst so frohen Gesichte, war sie beschäftigt, die Zwiebacke für das Frühstück zu rösten, als wenn sie von der allgemeinen Bewegung um sie her nichts hörte und sähe.

Sehr bald hing etwa ein Dutzend junger farbiger Sprößlinge, gleich ebenso vielen Krähen, auf dem eisernen Gitter der Veranda, jeder fest entschlossen, der Erste zu sein, der dem fremden Herrn die Nachricht bringe.

„Er wird ganz toll werden, mein Seel'!“ sagte Andy.

„Wird er nicht fluchen?“ sagte der kleine schwarze Jack.

„Ja, denn er flucht immer,“ sagte die wollköpfige Mandy. „Ich hören ihn gestern, bei Tische, ich hören denn Alles, weil ich in Missis Kammer gewesen, wo die großen Töpfe sein, – da ich Alles hören.“ Und Mandy, die nie zuvor in ihrem Leben an die Bedeutung eines Wortes, welches sie gehört, mehr gedacht hatte als eine schwarze Katze, gab sich nun das Ansehen eines besonderen Wissens, und vergaß dabei gänzlich zu erwähnen, daß, obgleich sie sich zur angegebenen Zeit zusammengekauert in der Geschirrkammer befunden, sie dort die ganze Zeit fest geschlafen hatte.

Als endlich Haley erschien, gestiefelt und gespornt, wurde er von allen Seiten mit der bösen Nachricht begrüßt. Die jungen Kobolde an der Veranda wurden in ihrer Erwartung, ihn „fluchen“ zu hören, nicht getäuscht, denn er that dies mit einer Geläufigkeit, die Alle höchlich ergötzte, während sie sich duckten und schmiegten, um außerhalb des Bereiches seiner Reitpeitsche zu sein, und dann, ihn in vollem Chore verhöhnend, unter endlosem Gelächter in einen Haufen auf dem dürren Rasen unter der Veranda zusammenfielen, und nach Herzenslust schrieen und lärmten.