„Nun, Jim, zeige uns, wie der alte Elder Robins den Psalm singt,“ sagte drauf sein Herr.

Der Knabe verzog sein rothwangiges Gesicht in unglaubliche Länge und begann einen Psalm mit unerschütterlichem Ernste durch die Nase zu singen.

„Hurra, bravo! was für ein Junge ist das!“ rief Haley. „Der Junge ist ein Kapital, auf mein Wort! – Hört,“ sagte er dann plötzlich, seine Hand auf Mr. Shelby's Schulter legend, „werft den Jungen mit in den Handel – und unsre Rechnung soll abgemacht sein. Kommt, seht, das ist der beste Weg!“

In diesem Augenblicke wurde die Thüre langsam geöffnet, und eine junge Mulattin, ungefähr fünfundzwanzig Jahr alt, trat ein. Es bedurfte nur eines Blickes auf sie und das Kind, um sie als die Mutter desselben zu erkennen. Sie hatte dasselbe tiefe, volle und dunkle Auge, mit den langen Wimpern, und dieselben Locken schwarzen seidenen Haares. Das Braun ihrer Haut wich auf den Wangen einem deutlich erkennbaren Anfluge von Röthe, welche sich steigerte, als sie den Blick des fremden Mannes in dreister und unverstellter Bewunderung auf ihre Person geheftet sah. Ihre Kleidung war im höchsten Grade sauber und passend, und ließ ihre schönen Körperformen vortheilhaft hervortreten. Ihre zart geformte Hand und ihr niedlicher Fuß waren Dinge, die dem schnellen Auge des Händlers nicht entgingen, welches daran gewöhnt war, in einem Blicke alle Merkmale eines schönen weiblichen Artikels aufzufassen.

„Nun, Elisa?“ fragte der Herr, als sie zaudernd still stand und ihn anblickte.

„Ich suchte Harry,“ erwiderte sie, während der Knabe in großen Sätzen auf sie zugesprungen kam, ihr seine Beute zeigend, die er im Schooße seines Kleides trug.

„Wohl, so nimm' ihn hinweg,“ sagte Mr. Shelby, worauf sie sich eiligst, den Knaben auf den Arm nehmend, mit ihm entfernte.

„Bei Jupiter!“ rief der Händler, sich voll von Bewunderung zu Mr. Shelby umwendend, „das ist ein Artikel! Ihr könntet Euer Glück mit dem Mädchen allein jeden Augenblick in Orleans machen. Ich habe mehr als tausend für Mädchen bezahlen sehen, die kaum so hübsch waren.“

„Ich will mein Glück mit ihr nicht machen,“ entgegnete Mr. Shelby trocken, und suchte das Gespräch auf einen andern Gegenstand zu lenken, indem er eine neue Flasche öffnete und den Gast um seine Meinung darüber fragte.

„Vortrefflich, – erste Qualität!“ sagte der Händler und fuhr dann fort, sich zu Shelby wendend und ihm vertraulich auf die Schulter schlagend: „Kommt, was wollt Ihr für das Mädchen haben? – was soll ich sagen? – was verlangt Ihr?“ „Mr. Haley, sie soll nicht verkauft werden,“ sagte Shelby, „meine Frau würde sich nicht für eben so viel Gold, als sie wiegt, von ihr trennen.“