„Pah, pah, Weiber reden immer so, weil sie keine Berechnung haben. Zeigt ihnen nur, wie viel Uhren, Federn und andere Sachen für so viel Gold, als ein Mensch wiegt, gekauft werden können, das wird die Sache schon ändern, denke ich.“
„Ich sage Euch, Haley, davon darf keine Rede sein, ich sage nein und ich meine nein,“ sagte Shelby mit Nachdruck.
„Nun, so werdet Ihr mir wenigstens den Jungen lassen,“ sagte der Händler, „Ihr müßt zugestehen, daß ich ein hübsches Gebot für ihn gemacht habe.“
„Wozu in aller Welt braucht Ihr den Jungen?“ sagte Shelby.
„Wozu? seht, ich habe einen Freund, der in diesen Artikeln handelt, – der hübsche Jungen aufkaufen und für den Markt aufziehen will. Sind natürlich Luxusartikel, – werden als Aufwärter und so dergleichen an Reiche verkauft, die dafür bezahlen können. Es macht sich gar nicht übel in solchen großen Häusern, – wenn ein wirklich hübscher Junge die Thür aufmacht, und aufwartet und bedient. Diese Art bringt einen hübschen Preis; und dieser kleine Hallunke ist so ein komisches, musikalisches Exemplar, daß er gerade dazu paßt.“
„Ich möchte ihn doch lieber nicht verkaufen,“ sagte Mr. Shelby nachdenkend; „seht, Herr, ich habe menschliches Gefühl, und kann das Kind nicht von der Mutter reißen.“
„O wahrhaftig? – So etwas von der Art? – ich verstehe, ganz richtig. S'ist manchmal gewaltig fatal, mit Weibern zu thun zu haben. Ich hasse das Geschrei und Geheul. S'ist gewaltig fatal; aber seht, so wie ich das Geschäft einrichte, wird es gewöhnlich vermieden. Warum schickt Ihr nicht das Mädchen für eine Woche, oder ein paar Tage oder so aus dem Wege? – dann macht sich die Sache ganz ruhig ab; – ehe sie zurückkömmt ist Alles vorüber. Eure Frau mag ihr dann ein Paar Ohrringe, oder ein neues Kleid, oder so etwas Aehnliches geben, was Alles wieder gut macht bei ihr.“
„Ich fürchte nicht!“ sagte Shelby.
„Gott helf mir! Diese Geschöpfe sind ja nicht wie weiße Menschen; die kommen da bald drüber weg, wenn Ihr's richtig angreift. Da sagt das Volk,“ fügte er, eine vertrauliche Miene annehmend, hinzu, – „diese Art Geschäft mache Einen hartherzig; aber ich habe das nie gefunden. Die Sache ist, ich hab's nie so treiben können; wie es Manche thun. Ich habe Viele gesehen, die die Kinder den Weibern aus den Armen rissen, und zum Verkaufe ausstellten, während jene wie wahnsinnig schrieen; – große Thorheit, – schadet dem Artikel nur, – macht ihn zuweilen ganz unbrauchbar. Ich sah einmal in Orleans ein hübsches Weib, das durch solche Art Behandlung total drauf ging. Der Kerl, der sie in Handel hatte, wollte ihr Kind nicht haben, und sie war eine von der rechten, hohen Art, wenn ihr Blut heiß war. Ich sage Euch, sie drückte das Kind in ihre Arme, und schrie, und gebährdete sich auf eine schrecklich Weise. Es läuft mir noch jetzt kalt über, wenn ich daran denke; und als sie das Kind fortschleppten und sie einsperrten, fing sie an zu rasen, und war acht Tage nachher todt. Tausend Dollar, Herr, gradezu weggeworfen, – nur durch unrichtige Behandlung, – so ist's. Es ist am besten, die Sache menschlich zu betreiben; das ist meine Erfahrung.“
Nach diesen Worten lehnte sich der Händler, mit verschränkten Armen und einer Miene tugendhafter Entschlossenheit, zurück in seinen Stuhl, und hielt sich augenscheinlich für einen zweiten Wilberforce. Der Gegenstand schien indeß den Ehrenmann zu interessiren, denn während Mr. Shelby gedankenvoll eine Orange abschälte, hub er von Neuem an, zwar mit bescheidener Zurückhaltung, aber als wenn er von der Gewalt der Wahrheit unwiderruflich getrieben würde, noch einige Worte hinzuzufügen.